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Bürgschaften für Unternehmen: Diese Arten sollten Sie kennen!

Mit dem Konzept der Bürgschaft kommt nahezu jede Firma früher oder später in Berührung – unabhängig davon, ob Sie eine Sicherheit erbringen müssen oder diese Leistung von Ihrem Geschäftspartner einfordern. Wir geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Bürgschaften für Unternehmen und für wen Sie geeignet sind. 

Das sind die wichtigsten Bürgschaften für Unternehmen:

  • Gewährleistungsbürgschaft (Mängelansprüchebürgschaft)
  • Ausführungsbürgschaft 
  • Vertragserfüllungsbürgschaft 
  • Anzahlungsbürgschaft (Vorauszahlungsbürgschaft)
  • Bauhandwerkersicherungsbürgschaft
  • Mietbürgschaft
  • Warenlieferungsbürgschaft (Lieferantenbürgschaft)
  • Leasingbürgschaft
  • Zollbürgschaft
  • Bürgschaften für Arbeitsgemeinschaften, kurz ARGE
  • Rekultivierungsbürgschaft

Was sind Bürgschaften für Unternehmen? 

Wird bei Vertragsschluss eine zusätzliche Sicherheit benötigt, so ist eine Bürgschaft oft die naheliegende Lösung. Eine solche Sicherheitsleistung wird beispielsweise bei einem Mietvertrag für Immobilien benötigt – statt eine Kaution zu hinterlegen, können Sie sich für eine Bürgschaft entscheiden. In der Baubranche sichern Bauherren Ihre Gewährleistungsansprüche ab, indem Sie einen Sicherheitseinbehalt in Bar oder eine Bürgschaft fordern.

In beiden Fällen dient die Sicherheit dazu, bei Zahlungsunfähigkeit des Vertragspartners trotzdem die Erfüllung der vertraglichen Pflichten zu gewährleisten. Daher sollten Sie auf Ihnen zustehende Sicherheitsleistungen nicht verzichten – denn nur so sind Ihre Interessen in jedem Fall gewahrt.

Welche Bürgschaften für Unternehmen gibt es? 

Es gibt unzählige verschiedene Arten von Bürgschaften, darunter branchenspezifische und solche, die nahezu jedes Unternehmen betreffen. Auch deren Verbreitung ist unterschiedlich: Während manche Bürgschaftsarten für nahezu jede Firma sinnvoll sind, sind andere wiederum nur für wenige, sehr spezifische Betriebe geeignet. Erhalten Sie im Folgenden ein paar Beispiele über mögliche Bürgschaften und wann sie zum Einsatz kommen.

Bürgschaften im Baugewerbe:

Bürgschaften im Baugewerbe:

Gewährleistungsbürgschaft

Laut BGB § 439 ist ein Auftragnehmer zur sogenannten Nacherfüllung verpflichtet. Werden während der Gewährleistungsfrist Mängel an seiner Arbeit festgestellt, so muss er diese beseitigen. Existiert der beauftragte Betrieb inzwischen nicht mehr – oder ist insolvent –, müssen Sie dann selbst für das Beseitigen der Mängel aufkommen. Eine Gewährleistungsbürgschaft übernimmt in diesem Fall die Kosten für Nachbesserung. Daher wird diese Bürgschaftsart auch als Mängelansprüchebürgschaft bezeichnet. 

Der Auftraggeber kann für die Erfüllung etwaiger Gewährleistungsansprüche einen Sicherheitseinbehalt von 5 % geltend machen. In diesem Fall behält er 5 % der Rechnungssumme ein – bis zum Ende der Gewährleistungsfrist, die 4 Jahre nach VOB/B und 5 Jahre nach BGB beträgt.

Diese Sicherheitseinbehalte können durch eine Gewährleistungsbürgschaft (auch genannt Mängelansprüchebürgschaft) ersetzt werden. Somit steht dem Auftragnehmer die volle Rechnungssumme zu. Auch bereits bestehende Sicherheitseinbehalte können Sie jederzeit durch eine Mängelansprüchebürgschaft ablösen.

Ausführungsbürgschaft

Natürlich muss der Auftragnehmer nicht nur für Mängel während der Gewährleistungsfrist aufkommen – auch vor Werkabnahme kann der Auftraggeber auf mangelhaft durchgeführte Arbeiten hinweisen und deren Nachbesserung verlangen. 

Das Risiko der Insolvenz des engagierten Betriebes besteht auch in dieser Bauphase. Eine Ausführungsbürgschaft springt ein, wenn der Auftragnehmer seinen vertraglichen Pflichten bereits vor der Abnahme der Leistung nicht erfüllen kann. Welche Rechte und Pflichten während der Ausführung bestehen, sind in VOB/B § 4 geregelt.

Vertragserfüllungsbürgschaft

In der Praxis sind Ausführungs- und Gewährleistungsbürgschaften als eigenständige Verträge nur noch selten zu finden. Verbreiteter ist stattdessen die Vertragserfüllungsbürgschaft, die die beiden Baubürgschaften kombiniert. Diese kommt sowohl vor der Werkabnahme als auch vor Ablauf der Gewährleistungsfrist für die Beseitigung von Mängeln auf, wenn der Auftragnehmer dieser Pflicht nicht mehr nachkommen kann.

Anzahlungsbürgschaft

Häufig verlangen Handwerker oder Hersteller von Spezialanfertigungen bereits eine Anzahlung von Ihrem Kunden, ohne bereits eine sichtbare Leistung erbracht zu haben. Durch diese Vorauszahlung werden Anschaffungs- und Materialkosten gedeckt. Der Kunde trägt dabei das Risiko, falls der Auftragnehmer die zugesicherte Leistung anschließend nicht erbringen und die erhaltene Anzahlung nicht mehr erstatten kann.

Davor können Sie sich durch eine Anzahlungsbürgschaft – auch Vorauszahlungsbürgschaft genannt – schützen. Sie erstattet bereits geleistete Zahlungen, wenn Ihr Geschäftspartner seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllen kann.

Bauhandwerkersicherungsbürgschaft

Nicht nur der Bauherr sollte sich vor der Insolvenz seines Vertragspartners schützen. Auch beteiligte Bauunternehmen tragen das Risiko, dass der Auftraggeber vor Fertigstellung der Immobilie zahlungsunfähig wird. Daher kann auch die beauftragte Firma laut BGB § 648a auf eine Sicherheit bestehen.

Diese kann beispielsweise durch eine Bauhandwerkersicherungsbürgschaft gestellt werden. Sie kommt für den Werklohn bereits erledigter Arbeiten auf, wenn der Bauherr diese Kosten nicht mehr tragen kann.

Weitere gängige Bürgschaftsarten:

Mietbürgschaft 

Mieter von Gegenständen oder Immobilien sind unter anderem zum rechtzeitigen Begleichen der Mietzahlungen verpflichtet sowie zur Rückgabe der gemieteten Sache ohne Mängel. Laut BGB § 551 kann der Vermieter auch für diese Pflichterfüllung eine Sicherheit verlangen, die bei Zahlungsunfähigkeit des Mieters die entstehenden Kosten deckt.

Statt diese Sicherheit als Barkaution zu erbringen, ist auch der Abschluss einer Mietbürgschaft möglich. Für den Vermieter entfällt damit der Aufwand für die Einrichtung eines separaten Mietkautionskontos. Dem Mieter steht die vereinbarte Kautionssumme weiter zur Verfügung.

Warenlieferungsbürgschaft

Viele Lieferanten bieten Warenlieferungen nur gegen Vorkasse an. Bei umfassenden Bestellungen oder zu Geschäftsbeginn ist eine vorzeitige Bezahlung der Ware für ein Unternehmen jedoch oft eine Herausforderung.

Eine Warenlieferungsbürgschaft kann hier eine sinnvolle Alternative sein. Die Rechnungsbegleichung muss in diesem Fall nicht im Voraus erfolgen. Stattdessen hat der Lieferant durch den Bürgen die Sicherheit, in jedem Fall die vereinbarte Bezahlung zu erhalten.

Leasingbürgschaft

Ein Firmenfahrzeug repräsentiert Ihr Unternehmen und macht Sie mobil. Ein Leasingwagen bringt dabei zudem noch steuerrechtliche Vorteile mit sich. Gerade Existenzgründer erfüllen aber oftmals nicht die vom Leasinggeber verlangten Kriterien.

In diesem Fall können Sie auf eine Leasingbürgschaft zurückgreifen. Durch diese zusätzliche Sicherheit erhalten Sie auch dann ein Angebot der Leasingbank, wenn Sie sonst nicht die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit erfüllen würden.

Zollbürgschaft

Importiert Ihr Unternehmen größere Warenmengen aus dem Ausland, so ist deren Einfuhr oft mit zusätzlichen Steuer- und Zollabgaben verbunden. Diese müssen bei Einfuhr beglichen werden, noch bevor Sie die Chance haben, durch deren Import und Verkauf Gewinn zu erzielen.

Durch eine Zollbürgschaft schaffen Sie die Möglichkeit, mit der Importware zuerst Profit zu erwirtschaften – und erst anschließend die geforderten Zollabgaben zu begleichen. Damit handelt es sich bei der Zollbürgschaft um eine Art der Steuerbürgschaft – eine der akzeptierten Sicherheitsleistungen nach Abgabenordnung § 241.

Bürgschaften, die eher Nischen bedienen:

ARGE

Bürgschaften für Arbeitsgemeinschaften – kurz ARGE – sind eine Sonderform von Vertragserfüllungs- und Vorauszahlungsbürgschaften. Mit dieser Art von Bürgschaft muss nicht jeder Gesellschafter der ARGE anteilig eine geforderte Sicherheit hinterlegen – sondern die Bürgschaft sichert die komplette Arbeitsgemeinschaft ab.

Zu welchem Anteil die einzelnen Gesellschafter im Innenverhältnis bürgen, wird ebenfalls in der Bürgschaft einer ARGE dokumentiert.

Rekultivierungsbürgschaft

Unternehmen, die eine größere Fläche – beispielsweise zum Rohstoffabbau – nutzen möchten, müssen diese anschließend wieder rekultivieren. Darunter versteht man nicht nur den Rückbau aller Systeme und Anlagen, sondern auch die Wiederaufforstung der genutzten Fläche.

Eine Rekultivierungsbürgschaft – die bei Insolvenz des Unternehmens für die Wiederherstellung des Gebietes aufkommt – ist in solchen Fällen obligatorisch, um die behördliche Genehmigung zur Nutzung der Fläche zu erhalten.

Welche Bürgschaft ist die Richtige?

Es gibt unzählige Arten von Bürgschaften. Absicherungen, die für jede Branchen relevant sind, aber auch Absicherungen, die sehr spezifische Anforderungen abdecken. Wir beraten Sie gerne, um herauszufinden welche Bürgschaft für Sie die Richtige ist. Unverbindlich und unabhängig! 

Tanja Vuksanovic, Spezialistin Kautionsversicherungen

Tanja Vuksanovic

Wer kann Bürgschaften ausstellen?

Als Bürge kommt entweder ein Kreditunternehmen infrage, das Ihnen eine Bankbürgschaft anbietet, oder ein Versicherungsunternehmen. Fungiert ein Versicherer als Bürge, so spricht man von einer Kautionsversicherung. Doch welche Bürgschaftsart ist besser: Bankbürgschaft oder Kautionsversicherung?

Beide Bürgschaftsarten bringen sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Eine Kautionsversicherung muss von Ihrem Geschäftspartner anerkannt werden.  Möchten Sie Ihre Bank als Bürgen vorweisen, so müssen Sie sich auf ein länger andauerndes Antragsverfahren und schärfere Vergabekriterien vorbereiten. Außerdem schmälert eine Bankbürgschaft Ihre Kreditlinie und mindert somit Ihre Liquidität.

Fazit

Es gibt zahlreiche Arten von Bürgschaften, die je nach Ausgangssituation sinnvoll oder sogar rechtlich vorgeschrieben sind. Steht Ihnen eine Sicherheitsleistung von Ihrem Geschäftspartner zu, sollten Sie auf diese in jedem Fall bestehen. Benötigt Ihr Unternehmen eine Bürgschaft, ziehen Sie auch eine Kautionsversicherung in Betracht – Diese ist oft eine hervorragende Alternative zur herkömmlichen Bankbürgschaft! Denn die Kautionsversicherung entlastet nicht nur Ihre Kreditlinie, sondern steigert dadurch auch Ihre Liquidität.

Möchten Sie eine Beratung?

Wir beraten Sie gerne bei der Wahl der passenden Bürgschaft. Sie können dazu ganz bequem Ihren Wunschtermin online buchen.

Tanja Vuksanovic

Spezialistin für Bürgschaften

Melanie Larcher

Spezialistin für Bürgschaften

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