Bürgschaftsversicherung trotz schlechtem Bonitätsindex

Um eine Bürgschaftsversicherung zu erhalten, kommen Unternehmen nicht um die Auswirkungen des Bonitätsindex herum. Gerade Betriebe des Mittelstands mit einer mittleren bis schlechten Bonität und Start-ups ohne Geschichte haben es schwer, überhaupt an Kredite oder Bürgschaften zu gelangen. Laut einer Studie der KfW von 2016 (Betrachtungszeitraum 2009–2014)* war „mangelnde Bonität“ in rund 50 % aller Fälle ein Grund für die Ablehnung von Mittelstandkrediten. Wie kann Ihr Unternehmen trotzdem eine Bürgschaftsversicherung für Gewerbe erhalten? Und wie können Sie den Bonitätsindex verbessern?

Maßnahmen, die Sie bei schlechter Bonität ergreifen sollten:

  • Prozess und Faktoren der Bonitätsprüfung und -einstufung kennen und verstehen
  • Selbstauskunft bei der Wirtschaftsauskunftei proaktiv beantragen
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Bonitätsindex ergreifen

Welche Rolle spielt die Bonität bei einer Bürgschaftsversicherung?

Die Bonität eines Betriebs sagt aus, wie zahlungsfähig die Firma ist. Eine gute oder schlechte Bonität bestimmt sich unter anderem aus den Unternehmenszahlen, aus betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und aus der Zahlungshistorie. Der Bonitätsindex ist ein Zahlenwert für Bonität, den eine Wirtschaftsauskunftei wie die Creditreform ermittelt und anderen Unternehmen zur Verfügung stellt. Im Grunde errechnet sie den Indexwert aus vorliegenden oder geschätzten Informationen des jeweiligen Unternehmens und setzt sie in ein Verhältnis, das einen Vergleich mit anderen Firmen zulässt. Der Bonitätsindex ist für Bürgschaftsversicherungen bzw. Kreditversicherungen aller Art und für jede Branche wichtig, denn er beeinflusst,

  • ob Ihre Firma eine Zusage erhält oder nicht
  • wie hoch die Kosten sind
  • ob und in welcher Höhe Sie Sicherheiten stellen müssen
  • wie hoch der Bürgschaftsrahmen ausfällt.

Wie sieht die Prüfung der Bonität bei Wirtschaftsauskunfteien aus?  

Auf dem Markt agieren verschiedene Auskunfteien, die sich nach Vorgehen und Bewertung der Bonität unterscheiden. Sie ziehen für die Bonitätsprüfung gemeldete Daten und Kennwerte heran, mit denen sie den jeweiligen Bonitätsindex oder -score berechnen. Dazu erfragen sie auch direkt beim Unternehmen die Geschäftszahlen.

Was unterscheidet eine gute von einer schlechten Bonität?  

Zum Bonitätsindex gehören Bonitätsklassen. Sie reichen von sehr guter Zahlungsfähigkeit bis hin zu zahlungsunfähig. Bei der Creditreform, beispielsweise, bescheinigt ein Wert zwischen 100 und 199 eine hervorragende Liquidität. Liegt er dagegen zwischen 300 und 600, deutet das eher auf Zahlungsschwierigkeiten bis zum Ausfall hin. Bis zu einem Bonitätsindex von rund 300 steht einer Bürgschaftsversicherung nichts im Weg, doch darüber hinaus müssen Firmen sehr wahrscheinlich mit einer Absage auf ihre Bürgschaftsanfrage rechnen. Was dann?

Besondere Bedeutung hat die Bürgschaftsversicherung im Baugewerbe oder anderen Branchen, wenn Auftraggeber regelmäßig Absicherung von Leistungen oder von Gewährleistungen erwarten. Deshalb ist es für diese Betriebe vorteilhaft, ihren eigenen Bonitätsindex eng zu überwachen. So können sie bei einer Verschlechterung schnell mit Gegenmaßnahmen reagieren.

Können Sie trotz schlechter Bonität eine Bürgschaftsversicherung für Gewerbe bekommen?  

Grundsätzlich ist die Bürgschaftsversicherung für Unternehmen deutlich schneller, unkomplizierter und einfacher zu erhalten als eine Bankbürgschaft. Doch auch ein Versicherungsunternehmen muss bei der Vergabe die Zahlungsfähigkeit des eigenen Kunden berücksichtigen.

 Die Zahl 300 stellt einenGrenzwert dar und markiert daher meist auch die Hürde für eine Zusage für eine Kautionsversicherung. 

Bewegt sich Ihre Bonität in dieser Region, kommen Sie gerne für ein Gespräch auf uns zu. Individuelle Lösungen sind unser Spezialgebiet und deshalb sehen wir uns gemeinsam an, welche Möglichkeiten bestehen Ihren Index zu verbessern.

 Bei einem Wert deutlich über 300, sollten Sie zuvor alle Methoden ausschöpfen, mit denen Sie den Bonitätsindex verbessern können. 

Selbstauskunft lohnt sich

Es lohnt sich immer eine Selbstauskunft bei der Wirtschaftsauskunftei zu beantragen. Vielleicht sind längst überholte Informationen oder Zahlen hinterlegt, die der aktuellen Lage nicht mehr gerecht werden. Legen Sie dann neue Geschäftszahlen vor, alte oder fehlerhafte Daten dürfen Sie selbstverständlich löschen lassen. Je mehr sich Ihr Index verbessern lässt, desto besser sind die Chancen und Konditionen eine Bürgschaft zu erhalten. 

Melanie Larcher, Spezialistin Kautionsversicherungen

Melanie Larcher

Fazit

Der Bonitätsindex Ihres Unternehmens trägt entscheidend dazu bei, ob und zu welchen Konditionen Sie eine Bürgschaftsversicherung erhalten. Er wird von einer Wirtschaftsauskunftei ermittelt und trifft eine Aussage darüber, wie zahlungsfähig der Betrieb ist. Ab dem Wert von 300 gilt die Bonität als schlecht und Ihre Chance auf eine Zusage sinkt. Deshalb lohnt es sich, den Bonitätsindex regelmäßig zu überwachen und Maßnahmen zu ergreifen, mit denen sich der Index positiv beeinflussen lässt.  

*Quelle: Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Über den Autor

Als Key Account Managerin bei der SHL Gruppe berät Tanja Vuksanovic seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Branchen rund um das Thema Liquiditätsmanagement. Von Bedarfsanalyse, Angebotsvergleiche bis Umsetzung begleitet sie Unternehmen und verhilft mit entsprechenden Produkten und individuellen Lösungen zu mehr Liquidität und Absicherung von Aufträgen. Bürgschaften, Warenkreditversicherung und Factoring aus einer Hand.

Tanja Vuksanovic

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