Die wichtigsten Baubürgschaften

Baubürgschaften lösen Probleme: Verträge zwischen den an einem Bau beteiligten Parteien bringen gewisse Risiken mit sich, denn nicht immer sind die finanziellen Verhältnisse der Geschäftspartner bekannt. Und auch gut geführte Unternehmen können in Schieflage geraten. Was, wenn einer der beiden während der langen Bauphase nicht mehr bezahlen oder leisten kann?

Forderungsausfälle sind im Bauwesen nicht unbekannt und auch Insolvenzen sind möglich. Gut, wenn dann eine dritte Partei für die Risiken des jeweiligen Geschäfts gerade steht. Hier kommen Baubürgschafen ins Spiel: Von der Auftragsvergabe bis Ende der Gewährleistung gibt es passende Bürgschaft für Bau- oder Handwerksbetriebe.

Welche Bürgschaftsarten gibt es und warum sind Bürgschaften für das Bauswesen wirklich sinnvoll?

Das sind die 6 wichtigsten Baubürgschaften:

  • Bietungsbürgschaft
  • Ausführungsbürgschaft
  • Anzahlungsbürgschaft
  • Vertragserfüllungsbürgschaft
  • Gewährleistungsbürgschaft
  • Bauhandwerkersicherungsbürgschaft

Welche Bedeutung hat die Baubürgschaft? 

Die Bürgschaft beim Bau von privaten, öffentlichen oder gewerblichen Objekten sichert die Risiken ab, die in den unterschiedlichen Bauphasen entstehen. Der Bürge verpflichtet sich zum Beispiel bei Nichterfüllung oder finanziellen Schwierigkeiten, die Pflichten eines Vertragspartners zu übernehmen. Es gibt unterschiedliche Bürgschaftsarten, die auf das jeweilige Bauprojekt zugeschnitten werden können. Die einzelnen Beteiligten sind:

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    Schuldner: Meist das Bauunternehmen, das dem Auftraggeber die Bauleistung schuldet. Es schließt einen Vertrag mit dem Bürgen über eine Garantie, falls eine oder die Leistung nicht erbracht werden kann.
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    Bürge: Eine Bank oder ein Versicherungsunternehmen übernimmt die Verantwortung gegenüber dem Auftraggeber der Bauleistung, falls das Bauunternehmen den Vertrag nicht wie vereinbart erfüllen kann. Dafür erteilt es eine Bürgschaftsurkunde an den Auftraggeber.
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    Gläubiger: In der Regel der Auftraggeber des Bauprojekts. Er hat einen Bauvertrag mit dem Bauunternehmer und erhält vom Bürgen eine Garantie, die Bürgschaftsurkunde.

Schon selbstverständlich oder Kundenservice?

In vielen Bereichen der Baubranche sind Bürgschaften üblich oder werden von den Kunden eingefordert. Doch eigentlich handelt es sich um echten Kundenservice: Bauprojekte sind in der Regel sowohl zeit- als auch kostenintensiv. Sollte es beim Bauunternehmer in dieser Zeit zu Problemen bei der Vertragserfüllung oder der Zahlungsfähigkeit kommen, bedeutet das für Kunden ein immenses Risiko. Geben Sie ihnen dagegen von vornherein eine Garantie durch eine verlässliche Baubürgschaft, verschaffen Sie sich ein zusätzliches Verkaufsargument und legen die Grundlage für ein vertrauensvolles Kundenverhältnis.

Tanja Vuksanovic, Spezialistin Kautionsversicherungen

zitat frank liepner 6

Welche Arten der Baubürgschaft gibt es?

Je nach Geschäftsvorgang oder Vertrag sind für die Beteiligten einer Bürgschaft ganz unterschiedliche Vereinbarungen notwendig. Deshalb gibt es beim Bau Bürgschaften, die diesen Bedingungen gerecht werden und zusätzlich noch auf individuelle Bedürfnisse und Voraussetzungen angepasst werden können. 

Bietungsbürgschaft

Bei Ausschreibungen setzt sich ein Auftraggeber eine Frist, bis zu der er über die Angebote entscheidet. Als Sicherheit gegen Preiserhöhungen lässt er sich eine Bietungsbürgschaft von den Bauunternehmen geben.

Ausführungsbürgschaft

Eine Ausführungsbürgschaft gilt vom Vertragsabschluss bis zur Abnahme des Baus und sichert dem Auftraggeber gegenüber die vertragsgemäße Ausführung aller vereinbarten Arbeiten.

Anzahlungsbürgschaft oder Vorauszahlungsbürgschaft 

Abschlagszahlungen sind beim Bauauftrag gängige Praxis. Mit der Anzahlungsbürgschaft erhält der Geschäftspartner eine Sicherheit, dass diese Abschläge bei Insolvenz des Bauträgers oder Handwerksbetriebs nicht verloren sind.

Vertragserfüllungsbürgschaft

Eine Vertragserfüllungsbürgschaft ist sehr umfangreich, denn sie enthält ab Vertragsabschluss eine Absicherung gegen Insolvenz und tritt beispielsweise auch bei Ansprüchen wegen Mängeln aus der Ausführungs- und der Gewährleistungsphase in Kraft.

Gewährleistungsbürgschaft oder Mängelansprüchebürgschaft 

Entstehen während der Gewährleistungsfrist Mängel am Objekt, hat der Auftraggeber einen Anspruch an den Bauunternehmer. Ist dieser allerdings in der Zwischenzeit in Zahlungsschwierigkeiten, dann greift eine Gewährleistungsbürgschaft 

Bauhandwerkersicherungsbürgschaft

Hier ist der Auftraggeber Schuldner und stellt einen Bürgen: Seine Verpflichtung ist die Bezahlung aller Handwerkerlöhne für bereits erfolgte Arbeiten und eine Bauhandwerkersicherungsbürgschaft greift, falls er zahlungsunfähig wird.

Welchen Vorteil hat eine Baubürgschaft gegenüber dem Sicherheitseinbehalt?

Unternehmen im Baugewerbe stehen vor der Herausforderung, Projekte mit verhältnismäßig hohem finanziellem Einsatz zu stemmen. Gemäß einer Statistik des Hauptverbands der deutschen Bauindustrie e. V. machen Ausgaben für Subunternehmer (32,7 %), Personal (25,2 %) und Material (21,2 %) insgesamt 79,1 % der Betriebskosten eines durchschnittlichen Bauunternehmens aus. Alles Ausgaben, die Sie zusammen mit Ihren Fixkosten während des Bauprojekts tragen müssen.

Bei Abschlags- und Restzahlungen können Kunden außerdem einen Sicherheitseinbehalt abziehen. Dieser Betrag kann bis zu 5 % der gesamten Bausumme ausmachen und teilweise bis zum Ende der Gewährleistung auf einem Sperrkonto liegen. Eine Anzahlungs- und/oder Gewährleistungsbürgschaft liefert ebenfalls die notwendige Sicherheit für den Kunden.

Der Vorteil? Ihr Unternehmen verbessert seine Liquidität. Sie erhalten Ihre Forderungen schneller ausbezahlt und können mit den Beträgen planen und wirtschaften. Dadurch können Sie mehr Aufträge parallel annehmen und agieren flexibler.

Sie arbeiten häufig mit unterschiedlichen Bürgschaften? Der Bürgschaftsrahmen vereinfacht Ihre Prozesse. Innerhalb einer vereinbarten Summe können weitere Bürgschaften flexibel und zügig erstellt erstellt werden.

Ist eine Bürgschaftsversicherung dasselbe wie ein Bankaval?

Bürgschaften erhalten Sie sowohl bei einer Bank – genannt Bankaval – als auch bei einem Versicherungsunternehmen – bekannt als Bürgschaftsversicherung. Allerdings bringt die Bürgschaftsversicherung einige entscheidende Vorteile mit sich:

  • Unbelastete Kreditlinie: Banken müssen eine Bürgschaft zu 100 % als Kredit ansehen und daher von der Kreditlinie eines Unternehmens abziehen. Der Betrag fehlt Ihnen also faktisch, falls Sie ein Darlehen benötigen. Schließen Sie hingegen diese Vereinbarung mit einem Versicherer ab, bleibt Ihre Kreditlinie bei der Bank intakt. Sie könnten bei Bedarf also sowohl die Bürgschaft als auch den Kredit haben.
  • Unbürokratischer Vorgang: Der Antrag auf eine Bürgschaftsversicherung ist schneller und flexibler möglich, da sich die Prüfung der Unternehmensunterlagen einfacher gestaltet.
  • Auch bei mittlerer Bonität möglich: Versicherer bieten Bürgschaften bis zur mittleren Unternehmensbonität zu vernünftigen Kosten an.

Fazit

Bürgschaften sind aus Bauverträgen nicht mehr wegzudenken, denn sie bringen Sicherheit für alle Beteiligten. Dadurch verbessern sich Abläufe und Zahlungen fließen ungestörter, beispielsweise werden Sicherheitseinbehalte überflüssig. Verschiedene Arten der Sicherheit können Sie für unterschiedliche Projekte nutzen und anpassen. Besonders vorteilhaft ist dabei die Bürgschaftsversicherung, die Sie bei einem Versicherungsunternehmen abschließen können, denn sie schont Ihre Kreditlinie.

Tanja Vuksanovic

Als Key Account Managerin bei der SHL Gruppe berät Tanja Vuksanovic seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Branchen rund um das Thema Liquiditätsmanagement. Von Bedarfsanalyse, Angebotsvergleiche bis Umsetzung begleitet sie Unternehmen und verhilft mit entsprechenden Produkten und individuellen Lösungen zu mehr Liquidität und Absicherung von Aufträgen. Bürgschaften, Warenkreditversicherung und Factoring aus einer Hand.

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