Vertragserfüllungsbürgschaft: Höhe, Kosten, Ablauf 

Genau wie ein Auswechselspieler beim Ausfall des Stammspielers bis zum Spielende rettend einspringt, tritt der Bürge bei einer Vertragserfüllungsbürgschaft an die Stelle eines insolventen Auftragnehmers. Für Sie als Unternehmer sind diese Bürgschaften bares Geld wert, denn Sie sichern damit einen berechtigten Sicherheitsbedarf Ihres Kunden ab – und das mit deutlich vermindertem Liquiditätsverlust für Ihren laufenden Betrieb. Wie funktioniert die Vertragserfüllungsbürgschaft und was müssen Sie dabei beachten?  

Vertragserfüllungsbürgschaft im Überblick:

  • Sicherheit für Kunde und Unternehmen.
  • Kreditlinie bei der Bank bleibt unberührt.
  • Die Höhe der Vertragserfüllungsbürgschaft liegt meist zwischen 10% und 20%

Was ist eine Vertragserfüllungsbürgschaft? 

Die Vertragserfüllungsbürgschaft benötigt Ihr Unternehmen für einen Auftrag, bei dem zwischen Vertragsunterschrift und Abnahme viel Zeit vergeht. Das ist zum Beispiel beim Bau eines Hauses oder der Produktion von Spezialmaschinen der Fall. Kunden, die solche Projekte und Einzelbestellungen in Auftrag geben, möchten sich gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit des Auftragnehmers absichern. Besonders dann, wenn zwischen den Vertragspartnern Vorauszahlungen oder Abschlagszahlungen vereinbart werden. Dabei sorgt der Auftragnehmer für einen zahlungsfähigen Bürgen, der die Kosten übernehmen kann, falls er selbst die vertraglich vereinbarten Pflichten nicht mehr erfüllen kann. Der Vorteil im Vergleich zum Sicherheitseinbehalt? Ihr Unternehmen verfügt sofort über mehr Liquidität. Gerade, wenn große Aufträge parallel oder kurz nacheinander laufen, summieren sich die Sicherheitseinbehalte schnell und schränken Ihr Unternehmen stark ein. Bürgschaften machen es wieder flexibel und leistungsfähig.  

Das deckt die Erfüllungsbürgschaft ab 

Die Vertragserfüllungsbürgschaft ist sehr umfangreich und erstreckt sich auf die unterschiedlichen Pflichten, die der Auftragnehmer beim üblichen Werkvertrag eingeht. Nach § 631 ff. BGB macht ihn der Gesetzgeber unter anderem für Folgendes verantwortlich:  

  • Er muss für eine vertragsgerechte Ausführung sorgen.
  • Nach Abnahme der Leistung steht er für Mängel gerade und kümmert sich um Gewährleistungsansprüche.
  • Eventuell muss er Schadenersatz wegen Mängel leisten.
  • Bei Überzahlung schuldet er dem Auftraggeber Erstattung.

Diese Verpflichtungen trägt der Auftragnehmer ab Vertragsabschluss bis zur Verjährung der Mängelansprüche. Die Verjährungsfrist liegt laut BGB zwischen zwei und fünf Jahren nach Abnahme und bei einem Vertrag nach VOB bei vier Jahren. Damit der Vertragspartner eine werthaltige und zuverlässige Sicherheit erhält, richten sich bei der Vertragserfüllungsbürgschaft Höhe und Laufzeit nach den gesetzlichen Regelungen.  

In diesen Branchen ist die Bürgschaftsvariante üblich  

Regelmäßiger Bestandteil von Werkverträgen ist die Vertragserfüllungsbürgschaft im Bau, im Garten- und Landschaftsbau sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Sie ersetzt hier den Sicherheitseinbehalt, den Kunden und Auftraggeber sonst von der Gesamtsumme abziehen müssten. Eine spezielle Regelung erfordern Verträge des Baugewerbes, die nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) geschlossen werden. Ihnen wird die Vertragserfüllungsbürgschaft nach VOB gerecht.  

Wie sieht der Ablauf einer Erfüllungsbürgschaft aus?  

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    Als Erstes benötigen Sie einen Vergleich verschiedener Bürgschaftsanbieter, um passende Konditionen für Ihr Unternehmen zu finden. Als Versicherungsmakler suchen wir Angebote, die genau auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und den Bedingungen Ihres Geschäfts und Ihrer Verträge gerecht werden.
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    Anschließend stellen Sie beim ausgewählten Anbieter einen Antrag, den er prüft.  
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    Nach der Zusage schließen Sie einen Vertrag mit dem Bürgen über einen Bürgschaftsrahmen oder eine Einzelbürgschaft. Sofort nach Abschluss erhalten Sie die benötigte Bürgschaftsurkunde.  
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    Bei Vertragsunterschrift mit Ihrem Kunden überreichen Sie die Bürgschaftsurkunde, die er aufbewahrt.
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    Nach Ablauf der Verjährungsfrist fordern Sie die Bürgschaftsurkunde bei Ihrem Auftraggeber ein und reichen sie an den Bürgen zurück.

Zwei in Eins

Genau betrachtet besteht die Vertragserfüllungsbürgschaft aus zwei Einzelbürgschaften: der Ausführungsbürgschaft, die vertragliche Verpflichtungen bis zur Abnahme absichert, und der Gewährleistungsbürgschaft, die bei Mängelansprüchen eingesetzt wird. Unsere Kunden profitieren bei diesem Kombiprodukt von geringerem Arbeitsaufwand, sparen Kosten ein und vermeiden unnötigen Papierkrieg.  

Tanja Vuksanovic, Spezialistin Kautionsversicherungen

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Wie legen Sie bei der Vertragserfüllungsbürgschaft die Höhe richtig fest? 

Da die Bürgschaft an die Stelle des Sicherheitseinbehalts rückt, sollte sie auch denselben Betrag haben wie dieser. Oft vereinbaren Auftraggeber und -nehmer dafür bis zu 25 % der Gesamtsumme. In den meisten Fällen liegt die Höhe der Vertragserfüllungsbürgschaft jedoch bei 10 %. Damit decken Sie das Sicherheitsbedürfnis Ihres Kunden während der Fertigung oder dem Bau ab. Sobald jedoch Ihr Auftragnehmer das Produkt oder das Projekt abnimmt, stehen ihm meist nur noch 5 % Sicherheitseinbehalt zu. Daher wandelt sich die Bürgschaft ab diesem Zeitpunkt in eine Gewährleistungsbürgschaft mit einer Höhe von 5 % der Vertragssumme um.

Welche Anbieter kommen für die Erfüllungsbürgschaft infrage?  

Für eine Bürgschaft stehen zwei unterschiedliche Anbietergruppen zur Verfügung. Banken bieten sie in Form eines Bankavals an und Versicherungsunternehmen können die Bürgschaft als Kautionsversicherung ausgeben. Dabei haben die Versicherer einige entscheidende Vorteile auf ihrer Seite:  

  • Prüfung der Unterlagen: Versicherungsunternehmen unterliegen nicht denselben strikten Vorgaben und können daher schnell und unbürokratisch Bürgschaften gewähren.
  • Höhe der Kreditlinie: Banken müssen die Bürgschaftssumme von der Gesamtkreditlinie eines Unternehmens abziehen. Bei der Kautionsversicherung verringert sich die Höchstgrenze für Kredite jedoch nicht.  
  • Sicherheiten: Versicherungsunternehmen fordern weniger Sicherheiten, um die Bürgschaft zu unterlegen.  

Mit der Bürgschaft eines Versicherungsunternehmens können Sie Steuern sparen: Auf die Kautionsversicherung durch ein Versicherungsunternehmen müssen Sie keine Umsatzsteuer bezahlen. Außerdem sind die Bürgschaften keine klassischen Versicherungsprodukte und daher fällt auch keine Versicherungssteuer an. 

Wie sehen bei der Vertragserfüllungsbürgschaft die Kosten aus? 

Versicherungsunternehmen bieten Bürgschaften mit einer jährlichen Prämie von 0,75 bis etwa 2 % der Bürgschaftssumme an. Die Prüfung von Unterlagen oder die Ausfertigung der Bürgschaftsurkunden sind dabei meist inklusive. Banken berechnen Kosten für die Erfüllungsbürgschaft in Höhe von bis zu 5 % der Bürgschaftssumme. Auch weitere Gebühren für Serviceleistungen sind nicht ausgeschlossen. Ein Vergleich vorab lohnt sich daher immer. Wie hoch die Ausgaben im Fall Ihres Unternehmens ausfallen, hängt von den folgenden Faktoren ab:  

  • Bonität der Firma belegt durch Unternehmenszahlen und/oder durch die Bewertung einer Wirtschaftsauskunft 
  • Hinterlegung von Sicherheiten 
  • Summe der Bürgschaft oder des Bürgschaftsrahmens

Was ist bei der Rückgabe einer Vertragserfüllungsbürgschaft zu beachten? 

Da es sich bei dieser Bürgschaft um eine „zweistufige“ Sicherheit handelt, endet sie nicht mit der Übergabe des Produkts oder der Abnahme, es sei denn, Sie haben eine separate Gewährleistungsbürgschaft vereinbart. Sonst wandelt sich die Bürgschaft lediglich in Höhe und Leistung. Erst, wenn die Mängelansprüche des Auftraggebers verjähren, erledigt sich auch die Bürgschaft. Sie deckt auch die Zeiten ab, wenn der Liefertermin oder die Bauzeit überschritten wird oder wenn sich die Gewährleistungsfrist durch eine Mängelanzeige des Kunden verlängert. Ist jedoch die letzte Frist abgelaufen, muss der Auftraggeber die Bürgschaft an den Auftragnehmer zurückgeben. Falls die Bürgschaft vom Kunden aufgrund einer Insolvenz in Anspruch genommen wurde, muss er die Urkunde ebenfalls nach Ablauf der Gewährleistungsfrist aushändigen.  

Fazit

Für ein Unternehmen mit langen Vertragserfüllungszeiten lohnt es sich, den Kunden eine Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe des Sicherheitseinbehalts zu besorgen. Damit optimiert der Betrieb seine Liquidität und gewährt dem Auftraggeber gleichzeitig eine bewährte Sicherheit für den Insolvenzfall. Die Bürgschaft deckt alle vertraglichen und gesetzlichen Verpflichtungen ab Vertragsunterschrift bis zur Gewährleistung ab. Sie ist bei einem Versicherungsunternehmen als Kautionsversicherung zu bekommen und schont dabei die gesamte Kreditlinie, die dem Unternehmen bei seiner Bank zusteht.  

Tanja Vuksanovic

Als Key Account Managerin bei der SHL Gruppe berät Tanja Vuksanovic seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Branchen rund um das Thema Liquiditätsmanagement. Von Bedarfsanalyse, Angebotsvergleiche bis Umsetzung begleitet sie Unternehmen und verhilft mit entsprechenden Produkten und individuellen Lösungen zu mehr Liquidität und Absicherung von Aufträgen. Bürgschaften, Warenkreditversicherung und Factoring aus einer Hand.

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