Franchise Finanzierung: Optimierung durch Bürgschaften

Eine stimmige Franchise Finanzierung benötigen Unternehmer nicht nur während der Gründungsphase, sondern auch, wenn das Geschäft schon warmgelaufen ist. Als Franchisenehmer setzen Sie auf ein Konzept, das passt und sich bereits bewährt hat. Um Aufwand und Kosten zu verringern, sollte auch die Finanzierung Ihrer Unternehmung wie auf den Leib geschneidert sein. Aus welchen Bestandteilen kann sie sich zusammensetzen?

Franchise Finanzierung im Überblick:

  • Eigenkapital
  • Bankkredit
  • Förderung durch die KfW
  • Crowdfunding
  • Optimierung der Finanzierung durch Bürgschaften

Franchise Finanzierung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Mit einem Franchisevertrag erhalten Sie das Recht, ein bereits vorhandenes Konzept zu verwenden. Dafür bezahlen Sie dem Franchisegeber eine Eintrittsgebühr und beteiligen ihn in der Regel mit einem vereinbarten Prozentsatz an Ihrem Umsatz. Doch das ist noch nicht alles. Für die Gründung benötigen Sie außerdem Kapital, mit dem Sie die Geschäftsausstattung und die Ware besorgen. Zwar sparen Sie im Vergleich zur unabhängigen Gründung Kosten für Werbemaßnahmen, Markenaufbau und Ähnliches. Trotzdem müssen Sie mit einem Finanzierungsbedarf zwischen 20.000 und 500.000 € (alternativ: "5-6-stelligen Finanzierungsbedarf", bei einzelnen Franchisesystemen muss man sogar noch mehr mitbringen) rechnen. Dieses Kapital kann aus unterschiedlichen Quellen stammen.

1. Eigenkapital 

Wenn ein Gründer eigenes Geld für sein neues Unternehmen einsetzt, spricht man von Eigenkapital. Es sind Mittel, die dauerhaft zur Verfügung stehen und dem Betrieb Stabilität verleihen. Kaum eine Franchise Finanzierung ist ohne Eigenkapital möglich. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Häufig ist der Einsatz eigener Mittel bereits Bedingung des Franchise-Modells. Dadurch sollen Ihr Engagement und Ihre Bindung als Franchise-Nehmer gestärkt werden.
  • Banken erwarten Eigenkapital als Sicherheit für einen Kredit.
  • Finanzielle Mittel, die Ihnen als Gründer gehören, verschaffen Liquidität ohne Zinskosten und müssen nicht zurückgezahlt werden.

2. Bankkredit

Zur Finanzierung des Franchisebetriebes gehört meist auch ein Bankkredit. Fast alle Bankinstitute bieten gewerbliche Kredite für Start-ups, KMUs und Gründungen an. Voraussetzungen sind zumindest eine ordentliche Kreditwürdigkeit, ein solider Businessplan und Sicherheiten. Da viele Gründer gerade zu Anfang einer Unternehmung Schwierigkeiten haben, die nötigen Sicherheiten zu bringen, helfen oft die Bürgschaftsbanken der Länder. Sie übernehmen mit einer Bürgschaft bis zu 80 % des Ausfallrisikos der Bank.

3. Förderung durch die KfW

Als Förderbank des Bundes unterstützt die KfW auch die Finanzierung von Franchise Unternehmen. Für Start-ups bietet sich der ERP-Gründerkredit, auch Startgeld genannt, an, bei dem Sie eine Kreditsumme von bis zu 126.000 € erhalten können. Die KfW übernimmt dabei 80 % des Ausfallrisikos. Das Programm ERP-Kapital ist ein nachrangiges Darlehen, für das die KfW in den ersten sieben Jahren keine Tilgungsraten verlangt. Bestehenden Betrieben kommt der ERP-Förderkredit KMU mit seinem verbilligten Zinssatz zugute. Auch dieses Programm gibt es mit einer Risikoübernahme.  

4. Crowdfunding

Bei dieser Finanzierungsform erhalten Sie Ihr Kapital nicht von einem Kreditinstitut, sondern von Investoren und privaten Anlegern. Über eine Plattform suchen Sie eine Gruppe an Menschen („crowd“), die an Ihrer Geschäftsidee interessiert ist und sich in unterschiedlicher Höhe daran beteiligt. Dabei bedeutet Crowdlending, dass Sie einen Kredit mit Rückzahlungsvereinbarungen und Zinszahlungen erhalten. Bei Crowdinvesting dagegen, kaufen sich die Anleger mit Beteiligungen in Ihr Unternehmen ein.  

Ideale Finanzstruktur

Franchisenehmer schätzen Crowdfunding, weil die Finanzierungsmöglichkeit scheinbar ohne Sicherheiten und mit wenig Eigenkapital möglich ist. Doch in der Realität nimmt es viel Zeit und Energie in Anspruch, genügend Investoren von der eigenen Idee zu überzeugen. Zahlreiche Crowdfunding-Projekte scheitern daran, ausreichend Mittel zusammenzubekommen. Eine echte Alternative ist die Kautionsversicherung, die fehlendes Eigenkapital ein Stück weit kompensiert bzw. bestehende Liquidität nicht reduziert.  

Tanja Vuksanovic, Spezialistin Kautionsversicherungen

Tanja Vuksanovic

Eine weitere clevere Möglichkeit: Optimierung der Finanzierung durch Bürgschaften

Eine gute Finanzierung ist eine maßgeschneiderte Finanzierung. Sie besteht immer aus mehreren Komponenten, die es Ihnen als Unternehmer ermöglichen, flexibel zu bleiben. Bürgschaften sind eine wichtige und manchmal unterschätzte Komponente. Bei der Bürgschaft übernimmt eine unabhängige Partei mit bewährter Bonität die Risikoabsicherung für verschiedene Verträge wie zum Beispiel einen Kredit-, Leasing- oder Liefervertrag. Dadurch, dass Sie diese Summen nicht aus Eigenkapital aufbringen oder mit hohen Sicherheiten unterlegen müssen, bleibt Ihr Unternehmen liquide. Außerdem belastet eine Bürgschaft über einen Versicherer auch nicht Ihre Kreditmodalitäten bei Ihrer Hausbank.

Zu beachten ist der Unterschied zwischen der Bürgschaft einer Bank (auch Bankaval genannt) und der eines Versicherers. Wird eine Bank zum Bürgen, behandelt sie die Bürgschaft wie einen Kreditvertrag. Sie schlägt die gesamte Summe auf die vorhandenen Kredite des Unternehmens auf. Das beeinflusst nicht nur die Bonität, sondern auch die Gesamthöhe an erhältlichem Bankkredit. Im Vergleich dazu erhalten Sie mit der Kautionsversicherung die Bürgschaft eines Versicherungsunternehmens und machen sich damit ein Stück unabhängiger von der Hausbank. Ihr Kreditlimit bleibt unangetastet und es werden weniger Sicherheiten gefordert.  

Relevante Bürgschaften für die Finanzierung Ihres Franchisebetriebes

Die Bürgschaft definiert sich als Vertrag zwischen einem Bürgen und dem Gläubiger einer dritten Partei. Der Bürge versichert dabei, die Verpflichtungen aus einem Vertrag oder einer Ausschreibung bei Ausfall des Dritten zu übernehmen. Es gibt zahlreiche Bürgschaftsarten, die sich in der Anwendung und den Vertragsbedingungen unterscheiden. Manche werden in fast jeder Branche benötigt, andere sind nur für spezifische Bereiche geeignet. Die Unterscheidung ist essenziell, um dieses Produkt auf die individuellen Bedürfnisse von Betrieben anzupassen. Einige, die sich für Franchise-Nehmer besonders eignen, haben wir für Sie zusammengestellt:  

Bürgschaft für Mietkaution  

Die Mietkautionen für Gewerberäume belaufen sich erfahrungsgemäß auf 6 bis 12 Monatsmieten.

Müssen Sie diese Summe beim Vermieter hinterlegen, beschneiden Sie damit die finanziellen Möglichkeiten Ihrer Firma. Eine Mietkautionsbürgschaft hingegen bringt dem Vermieter die gewünschte Absicherung und reduziert Ihre Kapitalbindung effektiv.

Dienstleistungsverträge

Ein Dienstleistungsvertrag verpflichtet nicht nur den Auftraggeber zur vereinbarten Zahlung, sondern auch Ihr Franchiseunternehmen dazu, die Leistungen vertragsgemäß zu erbringen. Besonders Kommunen verlangen von dem Dienstleister eine Sicherheit im Fall einer Insolvenz. Durch die Neuausschreibung können Mehrkosten anfallen, für die jemand einstehen muss. Übernimmt Ihr Betrieb mehrere dieser Dienstleistungsverträge, beschneiden die Sicherheitseinlagen Ihre Liquidität. Eine Bürgschaft für Dienstleistungsverträge gibt Ihnen hingegen die Flexibilität zurück.

Bürgschaften für Franchiseverträge

Zeit ist beim Franchise-Modell ein wichtiger Faktor. Bis ein gegründetes Unternehmen rentabel wirtschaftet und die Investitionen Ertrag bringen, wird es dauern. Um sich Zahlungen aus dem Vertrag zu sichern, verlangen Franchisegeber oft eine Garantie in Form einer Bürgschaft (Bürgschaft für Franchisevertrag). Diese Absicherung verschafft dem Unternehmer im Vergleich zu einer materiellen Sicherheit finanziell Luft. So verwenden Sie Ihr vorhandenes Kapital für den Geschäftsbetrieb.    

Warenlieferungsbürgschaft 

Unternehmen bestellen bei ihren Lieferanten oft Ware in großen Mengen, das Zahlungsziel liegt aber erst in der Zukunft. Da Lieferanten mit eigenem Kapital in Vorleistung gehen, erwarten sie mitunter eine Sicherheit für den Fall, dass der Kunde in diesem Zeitraum zahlungsunfähig wird. Die Warenlieferungsbürgschaft können Sie bequem für die Absicherung Ihrer bestellten und unverderblichen Waren nutzen. Erweiterte Zahlungsziele und Bestellungen ohne Anzahlung verbessern die Liquidität Ihres Betriebs.

Leasingbürgschaft  

Egal, ob Sie einen Leasingvertrag für den Geschäftswagen, Sportgeräte oder für eine Produktionsanlage und -maschinen abschließen, eine Sicherheit für Anzahlung und Leasingraten ist fast schon selbstverständlich. Hier kommt die Leasingbürgschaft ins Spiel. Sie macht Leasinggeschäfte auch für Unternehmen mit wenig Eigenkapital und Start-ups attraktiv.

Fazit

Wenn Sie eine Franchise Finanzierung auf die Beine stellen, benötigen Sie unterschiedliche Komponenten, aus denen Sie Kapital schöpfen. Dazu gehört auf jeden Fall ein Teil Eigenkapital, da es Ihre Kosten reduziert und verlässlich im Betrieb verbleibt. Weitere Bestandteile der Betriebsfinanzierung sind Fördermittel des Staates, ein Bankkredit und eventuell Crowdfunding. Auf keinen Fall sollte eine Bürgschaft von Versicherern fehlen. Ihr Vorteil ist: Sie schont die Kreditlinie und verschafft Ihnen Liquidität und Flexibilität.

Über den Autor

Als Key Account Managerin bei der SHL Gruppe berät Tanja Vuksanovic seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Branchen rund um das Thema Liquiditätsmanagement. Von Bedarfsanalyse, Angebotsvergleiche bis Umsetzung begleitet sie Unternehmen und verhilft mit entsprechenden Produkten und individuellen Lösungen zu mehr Liquidität und Absicherung von Aufträgen. Bürgschaften, Warenkreditversicherung und Factoring aus einer Hand.

Tanja Vuksanovic

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