Organisches und anorganisches Wachstum im Vergleich

Expansion ist häufig das Mittel der Wahl, um ein Unternehmen auf stabile Füße zu stellen und die Zukunft zu sichern. Dafür planen viele Betriebe eine Wachstumsstrategie, die auch die Art der Fortentwicklung berücksichtigt: Zur Auswahl stehen organisches und anorganisches Wachstum. Wo liegen die Unterschiede und welche Variante ist für Ihr Unternehmen besser geeignet?  

Organisches und anorganisches Wachstum:

  • Organisches Wachstum kommt aus der Stärke des eigenen Unternehmens heraus und ist meist langfristiger angelegt.
  • Anorganisches Wachstum bedeutet die Hinzunahme externer Mittel bzw. anderer Unternehmen, was ein schnelleres Wachstum mit sich bringt.

Organisches und anorganisches Wachstum: Was ist der Unterschied? 

Organisches Wachstum bezeichnet das Wachstum eines Unternehmens aus sich selbst, während anorganisches Wachstum durch externe Mittel erreicht wird. Bei der organischen Strategie entwickelt das Unternehmen selbst neue Produkte, erweitert den Kundenstamm oder eröffnet ein neues Geschäftsfeld. Dagegen setzt die anorganische Variante auf den Kauf anderer Betriebe, auf Fusionen oder Joint Ventures. Dabei können die Wachstumsziele bei beiden Strategien dieselben sein: die Erschließung neuer Märkte, die Erweiterung der Produktpalette oder eine verbesserte Marktdurchdringung

Beispiel:

Stellen wir uns vor, ein Handwerksbetrieb ist in seiner Heimatstadt bereits erfolgreich tätig. Nun möchte der Unternehmenseigner auch in der Nachbarstadt aktiv werden. Es soll also ein neuer Markt erschlossen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, prüft der Betrieb zwei ganz unterschiedliche Wege:  

  1. 1
    Er könnte organisch wachsen, indem er selbst eine Zweigstelle eröffnet, Mitarbeiter einstellt und Kunden wirbt.
  2. 2

    Er könnte sich für anorganisches Wachstum entscheiden und sich auf die Suche nach einem passenden Unternehmen machen, das bereits in der Nachbarstadt ansässig ist, und es aufkaufen.  

Für ein erfolgreiches Wachstum benötigen Unternehmen eine ausgefeilte Strategie. Sie sollten nicht nur den Markt, die Kunden und die Wettbewerber kennen. Auch das Risiko der geplanten Maßnahme, die Investitionshöhe und andere Faktoren spielen eine Rolle. Daher sollte die Strategie individuell auf ein Unternehmen zugeschnitten werden, damit definierte Ziele auch erreicht werden können.  

Organisches vs anorganisches Wachstum: Welche Strategie passt zu Ihrem Unternehmen? 

Unternehmen können Wachstum auf ganz unterschiedlichen Wegen erreichen. Ziel sollte dabei immer gesundes Wachstum eines Unternehmens sein. Damit Sie für Ihr Unternehmen die richtige Strategie – internes oder externes Wachstum – auswählen, sollten Sie die Vor- und Nachteile der beiden Varianten kennen und prüfen.  

Mit welchen Merkmalen punktet das interne Wachstum? 

Mit den eigenen Fähigkeiten und Ressourcen zu expandieren, erfordert Zeit und Geduld. Unternehmen planen beispielsweise neue Produkte zu entwickeln, bestehende Produkte zu verbessern, eine neue Marketingstrategie zu fahren oder ihre Leistungen auf einem anderen Markt anzubieten.

Für die Umsetzung benötigen sie eventuell ein Mehr an Personal, größere Büros, andere Produktionsmittel und Ähnliches. Was viel Arbeit macht und Zeit in Anspruch nimmt, kann dafür oft ein stabiles und nachhaltiges Wachstum erzeugen. Außerdem ist diese Wachstumsvariante meist weniger kostenintensiv, Ihr Betrieb konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen und geht ein geringeres Risiko ein als beim organischen Wachstum.  

Was sollten Sie vom externen Wachstum erwarten? 

Der Einkauf eines Unternehmens kann deutlich zügiger den gewünschten Wachstumserfolg bringen als eigenständiges Wachstum. Gleichzeitig ist dieser Weg aber auch riskanter. Mit der Übernahme erhält Ihr Betrieb vielleicht sofort Zugriff auf einen kompletten Kundenstamm, auf Technologien und personelles Know-how, auf andere oder zusätzliche Produkte, Fertigungsanlagen usw.

Außerdem besteht die Möglichkeit, durch eine größere Produktionsmenge Kosten zu sparen und Prozesse der beiden Betriebe effizienter zu gestalten. Bei der Zusammenführung von Unternehmen können auch verschiedene Schwierigkeiten durch unterschiedliche Strukturen, Abläufe oder technische Ausstattungen entstehen. Eine Firma zu übernehmen, ist zudem eine komplexe Angelegenheit, die verhältnismäßig hohe Kosten verursacht.  

    Wachstum will finanziert sein

    Expandieren bedeutet für Unternehmen, Gewinne zu reinvestieren, und häufig setzen sie dafür auch Fremdkapital ein. Ein Businessplan hilft dabei, die entstehenden Kosten vorab zu kalkulieren und eine passende Wachstumsfinanzierung auf die Beine zu stellen. Ergänzende Finanzierungsmittel wie Bürgschaftsversicherungen oder Factoring können die Liquidität dabei positiv beeinflussen und helfen.

    Matthias Wiegelmann, Spezialist Kautionsversicherungen

    Matthias Zitat SHL Gruppe

    Welche Voraussetzungen sollte Ihr Unternehmen für organisches und anorganisches Wachstum erfüllen? 

    Damit sich ein Unternehmen in neue Fahrwasser vorwagen kann, sollte es natürlich über eine stabile Ausgangsposition verfügen. Gute Voraussetzungen sind in der Regel:  

    • Bereits am bisherigen Markt etabliert 

    • Auftragslage bei aktuellen Produkten oder Dienstleistungen stabil 

    • Ausreichend Ressourcen, Kompetenzen und Fachpersonal für Expansion 

    • Gewachsene Kunden- und Lieferantenbeziehungen 

    • Eingespielte Unternehmensprozesse 

    • Solide Expansionsstrategie vorhanden 

    Fazit

    Für viele Unternehmen ist Wachstum sinnvoll, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben und in die Zukunft zu investieren. Das bedeutet häufig, mehr oder gewinnbringender auf dem eigenen Markt zu verkaufen, andere Märkte zu erobern oder neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Entweder sie wachsen dabei organisch, indem sie selbstständig diese Vorhaben umsetzen. Oder sie wachsen anorganisch und versuchen die Ziele durch den Kauf eines anderen Unternehmens zu erreichen.  

    Matthias Wiegelmann

    Matthias Wiegelmann blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Versicherungsbranche zurück. Als Key-Account-Manager bei der SHL sind ihm die ganzheitliche Betrachtung der Kunden sowie ein intensiver Austausch besonders wichtig. Er versteht es, die individuellen Rahmenbedingungen und Herausforderungen genau zu analysieren und darauf abgestimmt, die richtige Kundenlösung zu erarbeiten. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kautionsversicherungen und Gewerbeversicherungen.

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