Gesundes Wachstum eines Unternehmens: 7 Indikatoren

Gesundes Wachstum gilt für Unternehmen als eines der wichtigsten Ziele. Denn in einem dynamischen Marktumfeld fällt zurück, wer nicht wächst. Doch wie sieht gesundes Unternehmenswachstum aus? Welche Strategien führen zu gesundem Wachstum im Unternehmen, und wie messbar ist der Erfolg? Unternehmer und Unternehmensberater setzen sich natürlich unterschiedliche Wachstumsziele, doch in manchen Punkten sind sich Führungskräfte und ihre Berater einig, was gesundes Unternehmenswachstum ausmacht.  

Gesundes Wachstum eines Unternehmens:

  • Verschiedene Faktoren lassen auf ein gesundes Wachstum eines Unternehmens schließen.
  • Es sollte das Gesamtbild aus allen Faktoren betrachtet werden.
  • Wenn auch individuell: Gesundes Wachstum wird zwischen 3 und 7 Prozent definiert.  

Was zeichnet ein gesundes Unternehmenswachstum aus? 

Wenn das Thema „Gesundes Unternehmenswachstum“ diskutiert wird, handelt es sich dabei eigentlich immer um ein nachhaltiges Wachstum. Ausgewogene Strategien führen über einen untersuchten Zeitraum hinweg zu stabiler Expansion – bei der Palette der Produkte und Services, beim Kundenstamm und den Absatzmärkten, vielleicht auch bei den Beschäftigtenzahlen und natürlich bei den Gewinnen. Gesundes Wachstum im Unternehmen liegt vor, wenn sich das Unternehmen dabei nicht übernimmt. Die eigenen Mittel werden nicht gefährdet, die Qualität entlang der Wertschöpfungskette wird nicht kompromittiert. Gesundes Wachstum im Unternehmen auf der Grundlage nachhaltiger Strategien und Prozesse ist in der Regel der Grundstein zu langfristigen Erfolgen und verkraftet auch gelegentliche Rücksetzer.

Welche 7 Indikatoren sprechen für ein gesundes Unternehmenswachstum? 

Der Erfolg – wenn man so will die „Gesundheit“ der Wachstumsstrategien im Unternehmen – ist messbar. Um gesundes Wachstum im Unternehmen festzustellen, nutzen Betriebswirte Kennzahlen, wie sie ganz ähnlich für die Bewertung von Unternehmensaktien angewendet werden.  Wie die eingehende Betrachtung zeigt, sind Kontinuität und Stabilität hier führend vor gewaltigen, aber unfundierten Umsatzsprüngen.  Die folgenden Indikatoren sind für gesundes Wachstum im Unternehmen die wichtigsten. 

  1. 1
    Kontinuierliche Steigerung der Umsätze: Ein Unternehmen, dessen Strategien auf nachhaltiges Wachstum abzielen, kann eine stetige Zunahme der Umsätze vorweisen – die Entwicklung der Zahlen über mehrere Jahre belegt in solchen Fällen, dass sie nicht kurzlebigen Trends geschuldet sind, sondern kluger Planung.  
  2. 2

    Stabile Umsatzrenditen: Auch die Gewinnmargen entwickeln sich konstant oder sogar immer besser, wenn ein gesundes Wachstum im Unternehmen vorliegt. Steigende Renditen sind ein verlässlicher Indikator, dass das Unternehmen nicht einfach mehr, sondern besser verkauft.  

  3. 3
    Positiver Cashflow: Wächst der operative Cashflow-Wachstum über längere Zeit, kann das Unternehmen durch seine Aktivitäten die Mittel generieren, die es für weitere Strategien und Investitionen benötigt.  
  4. 4
    Verhältnismäßige Kapitalstruktur: Ein gesundes Eigenkapital-Polster und eine angemessene Verschuldung sind weitere Kennzeichen weitblickender Planung und geben die beruhigende Gewissheit, dass ein Unternehmen investiert – aber ohne sich dabei zu übernehmen.  
  5. 5
    Kontinuierliche Dividenden und/oder Rückkaufsprogramme: Die Höhe und Kontinuität der Dividenden ist einer der wichtigsten Indikatoren zur Großwetterlage im Unternehmen – sie dürfen nicht zu hoch sein, um nicht an Investitionen zu sparen, müssen aber die Aktionäre bei der Stange halten können. Gelegentliche Rückkaufsstrategien weisen darauf hin, dass das Unternehmen nicht auf einen hohen Anteil von Fremdkapital und damit externe Einflussnahme angewiesen ist.  
  6. 6
    Anstieg des Nettovermögenswertes: Dieser Wert aus der Perspektive von Aktionären und Fondsgesellschaften zeigt bei stetigem Wachstum eine steigende Attraktivität des Unternehmens an den Kapitalmärkten.  
  7. 7
    Liquidität: Alle Kennzahlen rund um die Liquidität geben Aufschluss über die Handlungsfähigkeit des Unternehmens. Hinreichende, gesunde Liquidität des Unternehmens bedeutet, dass die Mittel für die Verwirklichung aktueller und geplanter Strategien vorhanden sind.   

Die Summe dieser Indikatoren gibt Beobachtern Anhaltspunkte für die Bewertung des gesunden Wachstums im Unternehmen. Wie schon hier deutlich wird, sind alle Indikatoren keine Zahlen, die im luftleeren Raum schweben – so kann ein zu hohes Eigenkapital durchaus ein Anzeichen für Investitionsscheu sein und andeuten, dass das Unternehmen für die Zukunft nicht (mehr) gerüstet ist!  

Deshalb ist das Gesamtbild wichtig – auch die Bewertung der Produkte oder Leistungen durch die Zielgruppen, das „Markenbild“, lassen gut erkennen, ob gesundes Unternehmenswachstum vorliegt.  

Wachstum und Liquidität

Wächst das Unternehmen, dann steigt auch der Kapitalbedarf – unter anderem, wenn Bürgschaften als Sicherheiten für Aufträge oder für Mietobjekte beigebracht werden müssen. Bürgschaftsversicherungen schonen die Liquidität und damit den Handlungsspielraum des Unternehmens – deshalb können sie bei gesundem Wachstum unterstützen!

Melanie Larcher, Spezialistin Kautionsversicherungen

zitat frank liepner 6

Gesundes bzw. ungesundes Wachstum eines Unternehmens: Was ist der Unterschied?  

Gesundes Unternehmenswachstum zeichnet sich durch langfristige Planung, eine nicht überfliegende, dafür aber stetige Steigerung der wichtigsten Kennzeichen und ressourcenschonendes Wirtschaften aus. Viele Unternehmen, auf die all dies zutrifft, sind überdies sehr bemüht um ihre Mitarbeiter.  

Sie fördern und unterstützen, bemühen sich um die Bindung von Fachkräften und planen die benötigten Kompetenzen auch für die Zukunft aktiv ein. Daher arbeiten die Beschäftigten hier gern und bleiben lange – in vielen Mittelstandsbetrieben ein Leben lang. 

Ungesundes Wachstum wird rasch durch Kapitalaufnahmen, Zukäufe und Marktausdehnung erzielt – die gewaltige Kraftanstrengung ist oft nur durch Verschuldung in hohem Maß möglich. Da es keine oder nur geringe Rücklagen gibt, müssen Strategien schnellstmöglich und mit fest gezogenen Sparschrauben durchgezogen werden. Gespart wird dann u.U. an den Beschäftigten, am Produkt und am Service – oft mit der Konsequenz, dass das Unternehmen auf wackligen Beinen steht und dem Wachstumsdruck nicht mehr standhält.  

Was zeichnet ein ungesundes Unternehmenswachstum aus und was sind die Folgen?

Nicht nur im eigenen Unternehmen ist es wichtig, ungesundes Wachstum zu vermeiden. Unternehmer wollen auch bei Zulieferern, Partnern und Abnehmern in der Lage sein, Warnhinweise zu erkennen, um nicht in mögliche Schieflagen hineingezogen zu werden. Die Signale für ungesundes, vor allem zu schnelles Wachstum können bei nüchterner Betrachtung meist auch erkannt werden:  

  1. 1
    Unproportionale Geschwindigkeit: Zu schnelles Wachstum überdehnt die Mittel des Unternehmens – es belastet Kapital, Produktionsmittel und Beschäftigte. Vergleichbar ist dies mit der Belastung eines Automobils, dessen Karosserie zu fragil für die Leistung des Motors ist – mit entsprechenden Konsequenzen.  
  2. 2

    Finanzielle Belastungen: Nimmt ein Unternehmen zu viel externes Kapital auf und verschuldet sich für die Finanzierung seines Wachstums, geht die Nachhaltigkeit verloren. Derartiges Wachstum ist ungesund, weil die Schuldenlast auf die finanzielle Handlungsfähigkeit drückt und das Unternehmen lahmen kann. 

  3. 3
    Zu geringe Stabilität: Wächst ein Unternehmen nicht nachhaltig, werden wichtige Aspekte kompromittiert. Um das Wachstum zu finanzieren, wird bei Produktqualität oder Kundenbetreuung gespart, auf die Anforderungen neuer Zielgruppen oder Märkte kann das Unternehmen ebenfalls nicht angemessen reagieren. 
  4. 4
    Kurzfristige Planung: Schnelles Wachstum um jeden Preis, aber keine Orientierung über naheliegende Ziele hinaus sind eine weitere Schwachstelle ungesunden Wachstums. Wichtige Aspekte, die für längerfristige Entwicklungen beachtet werden sollten, bleiben oft unberücksichtigt.  
  5. 5
    Mangelnde Flexibilität: Wer für einen gewaltigen Wachstumsschub alles auf eine Karte setzt, steht vor Problemen, wenn sich minimale Elemente im Markt ändern – weil die Mittel und die Denkweise fehlen, um sich erfolgreich anzupassen.  

Gesundes Wachstum in einem Unternehmen ist demgegenüber einer umfassende, vorausschauende und ausgewogene Planung zu verdanken. Überlegtes Haushalten lässt kluge Unternehmer Mittel und Rücklagen schützen, ermöglicht regelmäßige Investitionen in Menschen, Märkte und Material und stellt das Unternehmen für langfristige Erfolge innerhalb der eigenen Branche auf.  

Was verursacht ungesundes Wachstum?  

Strategische Fehlgriffe und persönliche Fehleinschätzungen in der Führungsetage sind gesundem Wachstum im Unternehmen abträglich. Sie gehören zu den häufigsten Gründen für ungesundes Wachstum eines Unternehmens.  

Potential, aber auch große Herausforderungen bringt das anorganisches Wachstum eines Unternehmens mit sich. Mit dem Zukauf von anderen Unternehmen können Wachstumsziele schneller reicht werden, jedoch ist diese Form des Wachstum kostenintensiv und belastet auch die administrativen Strukturen. Denn die Neuerwerbung mit ihren Mitarbeitern und ihrer Unternehmenskultur muss in den Mutterkonzern integriert werden. Fehlen die Mittel, der Wille und die Strategie dafür, wird sich die Akquisition – anders als im Fall von organischem Wachstum eines Unternehmens - nicht unbedingt auszahlen! 

In Schwierigkeiten geraten Unternehmen auch, wenn es keine Vision und nur schwache Strategien gibt. Eine Geschäftsführung, die an den Realitäten vorbei agiert, rückwärts blickt oder schlimmstenfalls darauf abzielt, das Unternehmen kurzfristig künstlich aufzublähen, kann damit den Niedergang eines Unternehmens herbeiführen.  

Warum ist es so wichtig, ein Unternehmen gesund wachsen zu lassen? 

Wachstum ist wichtig – es hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten, wenn es nachhaltig ablaufen soll. Denn bei gesundem Wachstum im Unternehmen geht es um Planung und Kontrollen. Ähnlich wie bei einer Autofahrt wird festgelegt, wohin die Reise gehen soll, welche Route die günstigste (wenn auch nicht immer die schnellste) ist, wo getankt, gegessen, geschlafen wird. Der langfristig planende Unternehmer behält den Überblick, strebt sein Ziel an und möchte es vor den Wettbewerbern erreichen, aber ohne sich selbst, seine Mittel und seine „Mitfahrer“ zu gefährden.  

Risiken werden durchaus eingegangen, aber auch sie unterliegen Überlegungen. Verschiedene Szenarien werden bereits im Vorfeld durchgespielt, die finanziellen Mittel, um ihnen zu begegnen, werden vorgehalten. Ein ausgewogenes Verhältnis von Risiken und Stabilität macht Unternehmen wettbewerbsfähig, bewahrt aber ihre Resilienz im Fall einer Krise.  

Gesundes Unternehmenswachstum in Prozent wird von der Mehrheit der Unternehmer bei mindestens 3 Prozent, höchstens aber bei 10 Prozent angesetzt. Es gibt durchaus Unternehmer, die ein wenig auf die Bremse treten, wenn das Wachstum die Marke von 7 Prozent überschreitet – um das Risiko eines Überstreckens der eigenen Ressourcen zu vermeiden. 

Praktiken für ein gesundes Unternehmenswachstum  

Wachstum – und erst recht nachhaltiges, gesundes Wachstum eines Unternehmens – ist die wichtigste Aufgabe des Managements. Unternehmenswachstum ist in der Regel Teil der ausformulierten Unternehmensziele und wird durch eine handlungsfähige, agile Unternehmenskultur und tragfähige Werte gestützt. Um zu wachsen, müssen Unternehmen  

  • Wachstumschancen wahrnehmen oder erschließen und 

  • in der Lage sein, auf Potenziale zeitnah und konsequent zu reagieren. 

So profitieren Unternehmen entweder davon, selbstständig neue Märkte zu erkennen oder neue Kundengruppen anzusprechen – oder sehen Einstiegsgelegenheiten in den Strategien der Konkurrenz und passen ihr Verhalten dementsprechend an. Selbstredend gehört eine ständige Beobachtung der eigenen Branche und der Tagespolitik zu den Beschäftigungen erfolgreicher CEOs. Für die Umsetzung ihrer Wachstums-Ideen braucht es jedoch noch mehr: 

  • Liquides Mittel für notwendige Maßnahmen – auch mithilfe sinnvoller Finanzinstrumente wie Bürgschaftsversicherungen.

  • Ein Mitarbeiterstamm, der durch die Personalplanung für aktuelle und künftige Anforderungen bereitsteht.

  • Ein Partner-Netzwerk, das skalierbar ist 

  • Betriebsmittel und Ressourcen, die bei Bedarf erweitert werden können 

Jeder einzelne dieser Bereiche untersteht im Unternehmen einer eigenen Abteilung. Die Besetzung der wichtigen Positionen in HR und Beschaffung, Marketing und Vertrieb hat daher eine Schlüsselbedeutung für gesundes Unternehmenswachstum. Die Mitarbeitenden müssen zur Vision der Geschäftsführung passen, sollten aber nicht durch Mikromanagement gehemmt werden in ihrer eigenen administrativen und unternehmerischen Kapazität und Kreativität.  

Flache Hierarchien und gute, zielführende Kommunikation über alle Ebenen des Unternehmens sind deshalb ebenfalls Praktiken, die in nachhaltig wachsenden Firmen anzutreffen und für gesundes Wachstum im Unternehmen unverzichtbar sind.  

Was beeinflusst das (gesunde) Wachstum eines Unternehmens?  

Nun sind Unternehmer und Unternehmen allerdings keine losgelösten Teilnehmer einer Ökonomie – sie sind innerhalb ihrer Branche und Region, aber auch überregional und international vernetzt. Lange und längere Lieferketten und Wertschöpfungsprozesse schaffen Unsicherheiten. Zerspringt ein Glied der Kette, bedeutet dies für Unternehmen Einbrüche bei Umsatz und Wachstum. Die Pandemie und die aktuelle Weltpolitik illustrieren diese Risiken deutlich. 

Doch auch bei schwieriger Konjunktur haben nachhaltig gewachsene Unternehmen bessere Chancen, zu bestehen, sich zu erholen und ihren Wachstumskurs wieder aufzunehmen. Denn sie schaffen Rücklagen. Ihre Geschäftsführer antizipieren mögliche Entwicklungen und bemühen sich um eine Notfallplanung. Ein nachhaltig agierendes Unternehmen hat nicht nur einen Plan B, sondern meist auch einen Plan C und D – und die finanziellen und personellen Mittel, sie für gesundes Wachstum im Unternehmen umzusetzen. 

In dieser Hinsicht gleichen sie Privatpersonen oder Haushalten, in denen geplant, gespart und informiert wird. Das hektische Reagieren auf geopolitische Entwicklungen, jähe Kursstürze der Aktien und die massenhafte Abkehr von Anlegern und Kunden bleibt Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und wachsen, in der Regel erspart. 

Fazit

Ein interessantes wenngleich auch komplexes Thema. Es gibt keine Pauschalaussage, wann ein Unternehmen gesund bzw. nicht gesund wächst. Die genannten Indikatoren können allerdings helfen besser "gesund" von "ungesund" zu trennen. Wichtig ist immer das Gesamtbild nicht aus den Augen zu lassen.

Melanie Larcher

Melanie Larcher ist seit vielen Jahren bereits bei der SHL tätig. Sie berät bestehende Kunden ebenso wie potenzielle Neukunden über die verschiedenen Bürgschaftsarten und darüber, wie Unternehmen ihre Liquidität verbessern können. Da die Bonität einen entscheidenden Einflussfaktor in der Geschäftswelt darstellt, gilt es auch hier die Unternehmen aufzuklären und Tipps zur Verbesserung des Ratings zu geben.

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