Liquiditätskennzahlen vernachlässigen: Risikofaktoren für KMU – Teil 5

Der Blick auf Liquiditätskennzahlen gibt Aufschluss über die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. KMU, die diese wichtigen quantitativen Indikatoren im Blick behalten, haben den Überblick über die eigenen Mittel – und damit auch über ihren finanziellen Handlungsspielraum. Umgekehrt ist das nicht berücksichtigen von Liquiditätskennzahlen langfristig mindestens ein Hemmschuh, wenn nicht die beste Voraussetzung für eine Insolvenz. Wer liquide sein und bleiben will, beschäftigt sich daher beizeiten mit dem Thema – und bleibt bei den Indikatoren informiert.

Darum ist eine regelmäßige Überwachung von Liquiditätskennzahlen unerlässlich:

  • Liquiditätskennzahlen sind entscheidend für die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens und helfen, den finanziellen Spielraum zu kennen.
  • Regelmäßige Überwachung der Liquidität hilft, finanzielle Engpässe zu vermeiden und Krisen besser zu bewältigen.
  • Die Vernachlässigung von Liquiditätskennzahlen birgt das Risiko gravierender finanzieller Schwierigkeiten, die die Zahlungsfähigkeit gefährden und die operative Handlungsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen können.

Warum ist es wichtig, Liquiditätskennzahlen regelmäßig zu überwachen?

Liquiditätskennzahlen sind Hilfsmittel um die Zahlungsfähigkeit und somit die Liquidität des Unternehmens messbar zu machen. Im laufenden Geschäft sollten Unternehmer den Überblick über ihre finanziellen Möglichkeiten behalten – eine genaue Kenntnis der eigenen Mittel wird noch wichtiger, wenn Unvorhergesehenes oder sogar Krisen bewältigt werden wollen. Schon deshalb ist es wichtig, die eigenen Liquiditätskennzahlen zu berechnen und zur Hand zu haben. Mit ausreichenden Mitteln lassen sich Engpässe überbrücken und Schwierigkeiten meistern. Eine Vernachlässigung der Liquiditätskennzahlen führt jedoch dazu, dass Firmen sich mit unüberwindbaren Hürden konfrontiert sehen. Zu den Konsequenzen von Liquiditätsengpässen gehören:

  • Rückstände bei der Begleichung von Steuern
  • Verzögerung der Mieten und Gehälter
  • Überziehung der Geschäftskonten
  • Unvorteilhaftes Liquidierung von Assets
  • Verfall der Kreditwürdigkeit

Es lohnt sich also, sich mit dem Thema Liquidität und den Tools zu deren Messung eingehender zu befassen, um Liquiditätsprobleme zu vermeiden. Denn Zahlungsverpflichtungen sind Alltag: Rechnungen müssen beglichen, Mieten, Steuern und Gehälter gezahlt werden. Dem stehen Einnahmen sowie weitere Bar- und Sachwerte gegenüber. Erfolgreiche Unternehmen streben nicht nur die ausgewogene Bilanz an, sondern legen wie umsichtige Sparer etwas beiseite. Liquiditätsplanung bedeutet jedoch auch, nicht zu viel freies Kapital anzuhäufen, sondern strategisch zu investieren.

Liquide sein bedeutet für Unternehmen, handlungsfähig zu sein und zu bleiben. Ohne genaue Kenntnis der eigenen Assets geht das nicht. Liquiditätskennzahlen machen fassbar, wie „flüssig“ ein Unternehmen tatsächlich ist. Sie eröffnen außerdem einen ersten Überblick darüber, wo Handlungsbedarf besteht – so dass gezielte Strategien planbar werden.

Was gehört zu den wichtigen Liquiditätskennzahlen?

Liquidität ist durch entsprechende Finanzmetriken messbar. Die Kennzahlen werden anhand der Bilanzen ermittelt. Gemäß der Liquiditätskennzahlen-Definition lassen sie auf den ersten Blick erkennen, wie gut eine Firma in der Lage ist, ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Als Grundlage für die Planung der Geschäftsführung, aber auch für die Kreditwürdigkeit und die Reputation gegenüber potenziellen Geschäftspartnern ist die Liquidität ein wichtiger Aspekt der Unternehmensführung. Liquiditätskennzahlen werden in unterschiedlichen Graden eingestuft.

Was zeigen Liquiditätskennzahlen 1., 2. und 3. Grades?

Liquidität ist nicht nur messbar, sondern auch klassifizierbar – die Liquiditätskennzahlen des 1., 2. und 3. Grades geben Auskunft nicht nur über die verfügbaren Mittel, sondern auch darüber, wie unmittelbar sie bei der Hand sind. Die Aussagekraft  der Kennzahlen steht in Wechselwirkung zueinander – Liquiditätskennzahlen des 1., 2. und 3. Grades nehmen aufeinander Bezug.

Was misst die Liquidität 1. Grades?

Wenn es darum geht, Liquiditätskennzahlen zu berechnen, sind die Kennzahlen des 1. bis 3. Grades die wichtigsten. Die Liquidität des 1. Grades wird auch als Cash Ratio bezeichnet – sie meint die tatsächlichen Barmittel, Gelder, über die eine Firma sofort und ohne Einschränkungen oder Wartezeiten verfügen kann. 

Die Liquidität 1. Grades (auch Barliquidität oder Cash Ratio) ist ein Maß für die Fähigkeit eines Unternehmens, kurzfristige Verbindlichkeiten umgehend zu begleichen. Sie wird anhand der Bar- und Bankguthaben oder möglicher Wertpapiere bestimmt. Anschließend werden die Mittel den sofortigen Verbindlichkeiten gegenübergestellt und das Ergebnis mit 100 multipliziert. Die Richtwerte helfen bei der Einordnung des Ergebnisses.

Was ist der Richtwert für Liquidität 1. Grades?

Eine Liquidität 1. Grades von 100 Prozent bedeutet, dass die Firma allen kurzfristigen Verpflichtungen vollständig entsprechen kann – Rechnungen, Steuern, Gehälter und Mieten werden aus Barmitteln sofort beglichen. Das klingt zunächst gut, doch es lässt auch erkennen, dass ein Unternehmen der Sicherheit gegenüber Investition und Innovation für gesundes Wachstum eines Unternehmens den Vorzug gibt. Wirtschaftsexperten halten einen Wert von 100 Prozent deshalb zu hoch – sie benennen einen Wert von rund 20 Prozent als ausreichend, um kurzfristige Zahlungen zu leisten.

Was zeigt die Liquidität 2. Grades an?

Von der Liquidität 2. Grades spricht man, wenn zu den sofort greifbaren Barmittel auch solche Posten hinzukommen, die schnell „flüssig“ gemacht werden können, etwa durch den Verkauf von Wertpapieren und vergleichbaren Assets. Diese „Quick Ratio“, auch als Einzugsliquidität bezeichnet, gilt Fachleuten als der wichtigste Indikator. Die Summe der Barmittel und der Werte, die sich rasch zu Geld machen lassen, steht ebenfalls den kurzfristigen Verpflichtungen gegenüber, auch hier wird das Ergebnis mit 100 multipliziert.

Was ist der Richtwert für Liquidität 2. Grades?

Die Liquidität des 2. Grades zeigt, dass Barmittel allein nicht nötig sind, wenn ein Unternehmen auch andere Assets bei der Hand hat – etwa Wertpapiere oder Forderungen gegen andere Firmen, die sich einholen lassen. Aufgrund dieser Kombination ist für diesen Grad ein Richtwert von 100 Prozent gerechtfertigt. Auf dieser Grundlage könnte das Unternehmen alle Verbindlichkeiten sofort und gänzlich begleichen, wenn es entsprechende Mittel jenseits der Barbestände nutzt.

Welche Informationen liefert die Liquidität 3. Grades?

Eine dritte Stufe ist die sogenannte Warenliquidität. Diese Liquidität 3. Grades definiert, wie das Umlaufvermögen gegenüber kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen bemessen ist. Dabei gehören zum Umlaufvermögen sämtliche Assets für Rückzahlungen, Verarbeitung und Verbrauch, aber auch für kurzfristige Veräußerungen. Die Working Capital Ratio setzt das Umlaufvermögen gegenüber kurzfristigen Zahlungsverbindlichkeiten ins Verhältnis.

Was ist der Richtwert für Liquidität 3. Grades?

Bei der Liquidität 3. Grades wünschen sich Fachleute – und Unternehmer – Werte, die deutlich über 100 Prozent liegen. Fällt der Wert nämlich unter diese Schwelle, kann eine Firma ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen und müsste auf eine Fremdfinanzierung zurückgreifen. Bisweilen wird daher für diese Kennzahl ein Richtwert von bis zu 200 Prozent genannt.

Welche weiteren wichtigen Liquiditätskennzahlen gibt es?

Neben den genannten quantitativen Indikatoren sind weitere Kennzahlen in Gebrauch, die eine realistische Einschätzung der Liquidität erleichert. Zu ihnen gehören beispielsweise das Nettoumlaufvermögen und der Cash Conversion Cycle.

Was sagt die Liquiditätskennzahl Net Working Capital?

Der englische Begriff des Net Working Capital wird im Deutschen als Nettoumlaufvermögen bezeichnet. Gemeint sind Vermögenswerte im Unternehmen, die unmittelbar bereitstehen, um Umsätze zu schaffen – ohne den Rückgriff auf das Eigenkapital oder die Entscheidung für eine externe Finanzierung durch Kredit. Die Barmittel und kurzfristigen Forderungen sind bei diesem Wert nicht berücksichtigt. Anders als Produktionsmittel oder sonstiges gebundenes Kapital ist das Nettoumlaufvermögen kurzfristig verfügbar.

In seine Berechnung fließen verschiedene Werte ein:

  • Rohstoffe, Vorräte, Lagerbestände
  • offene Rechnungen an Kunden
  • rasch verkäufliche Wertpapiere

Was ist der Richtwert für das Net Working Capital?

Das Net Working Capital einer Firma sollte den Richtwert von höchstens 130 Prozent nicht überschreiten – ebenso wie ein zu hoher Wert bei der Liquidität 1. Grades wäre dies ein Hinweis darauf, dass Mittel nicht effektiv genutzt werden, etwa durch zu umfangreiche Lagerhaltung.

Was zeigt die Liquiditätskennzahl Cash Conversion Cycle?

Der Zyklus der Bar-Konversion informiert über die Zeit, die benötigt wird, um Ressourcen oder Lagerbestände in Bares zu verwandeln – gemessen von der ersten Investition bis zum abgeschlossenen Verkauf. Die Geldumschlagsdauer ist allerdings kein fixer Wert, sondern stark branchenabhängig – in diesem Fall ist die Aussagekraft der Werte nicht ohne Kenntnis des Geschäftsmodells zu sehen.

Was ist der Richtwert für den Cash Conversion Cycle?

Für die Berechnung der Geldumschlagsdauer werden drei weitere KPI benötigt – die Liquiditätskennzahlen-Formel sieht folgendermaßen aus: CCC = DIO + DSO – DPO.

  • Days Sales Outstanding (DSO) oder die Frist bis zur Begleichung von Rechnungen durch Abnehmer.
  • Days Payable Outstanding (DPO) meint die Frist bis zur Bezahlung von Zulieferern.
  • Days Inventory Outstanding (DIO) für die Dauer der Kapitalbindung im Lager.

Kann ein Unternehmen einen sehr niedrigen CCC-Wert vorweisen, sind liquide Mittel nicht lange gebunden. Ein stetig sinkender Wert lässt zunehmende Effizienz der Abläufe erkennen – einige Firmen schaffen es, hier in den negativen Bereich zu gelangen.

Wie können Sie die Liquiditätskennzahlen Ihres Unternehmens verbessern?

Liquidität ist von kritischer Bedeutung im Unternehmen – und der Blick auf die genannten Kennzahlen lässt schnell erkennen, wo es hapert und Liquiditätsrisiken vorliegen. Um solche zu reduzieren, sollte eine doppelte Strategie entwickelt werden. So können kurzfristige Abhilfen schnell realisiert und darüber hinaus langfristige Verbesserungen des Status Quo angestrebt werden.

Denkbar und bewährt sind die folgenden Strategien – sie gehören zu den wichtigsten 11 Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung:

  • Kosten senken bei Ausgaben für den Einkauf, Reisen und Marketing
  • Leasing statt Kauf von Assets wie Maschinen oder Fahrzeugen
  • Lagerbestände verringern
  • Freibeträge und weitere steuerliche Vorteile nutzen
  • Kredite für Investitionen in Anspruch nehmen
  • Absicherungen gegen Zahlungsausfälle schaffen und Factoring im Unternehmen implementieren und ausstehende Forderungen einholen
  • Kautionsversicherungen für Bürgschaften nutzen

Bürgschaftsversicherungen verbessern die Liquidität

Bürgschaften binden häufig beachtliches Kapital – gefordert werden sie in vielen Bereichen, angefangen bei der Anmietung von Gewerbeimmobilien bis zur Sicherung von Warenlieferungen. Mit Bürgschaftsversicherungen in Form einer Kautionsversicherung bietet sich eine kostengünstige, wettbewerbsfähige Alternative zur Bar- oder Bankbürgschaft!

Kritaya Moschna, Spezialistin Kautionsversicherungen

Kritaya Zitat SHL Gruppe

Welche Gefahr birgt einer Vernachlässigung der Liquiditätskennzahlen?

Fehlende Liquidität ist für Unternehmen ein schwerwiegenderes Problem. Fehlt es an flüssigem Kapital, bedeutet dies, dass wichtige und kurzfristige Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden können. Das wiederum wirkt sich auf sämtliche Geschäftsprozesse aus – denn selbst mit Einsparungen bei der Waren- oder Leistungsbeschaffung müssen Abstriche gemacht werden. Gehaltszahlungen sind bedroht, steuerliche Versäumnisse führen zu Mahnungen und Bußgeldern, und die angemieteten Räumlichkeiten oder Grundstücke können unter Umständen nicht gehalten werden. Ist es erst einmal so weit, sehen sich Unternehmer gezwungen, wichtige Betriebsmittel zu veräußern, sogar unter Wert. Von dort bis zur Insolvenz ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Da auch die Bonität unmittelbar beeinflusst wird, hilft dann kein Kreditgeber mehr.

Besser ist es auf jeden Fall, durch eine gezielte Liquiditätsplanung beizeiten gegenzusteuern und dabei auch Hilfsmittel wie Bürgschaftsversicherungen vom spezialisierten Versicherer einzubeziehen.

Fazit

Die eigene Liquidität zu managen, verlangt Unternehmern einiges ab – denn der Blick muss über die Bargeldbestände hinaus gehen. Liquiditätskennzahlen und ihre Aussagekraft über den Ist-Zustand ermöglichen Eingriffe und Maßnahmen, die die Liquidität verbessern. Ein Management der Forderungen und Verbindlichkeiten gehört dazu, aber auch die Einbeziehung wettbewerbsfähiger Finanzierungen. Dazu gehören auch Kautionsversicherungen, mit denen sich die Auslagen für hohe Bürgschaften deutlich senken lassen und die Kreditlinie bei der Bank geschont wird.

Kritaya Moschna

Kritaya Moschna steht als Spezialistin für Kautionsversicherungen allen Unternehmen zur Seite, die ihre Liquidität und ihren Finanzierungsmix mit Bürgschaften optimieren möchten oder Bürgschaften als Sicherheit für ihre Aufträge benötigen. Eine ganzheitliche Betreuung mit intensiver Bedarfsanalyse, unabhängiger Angebotsvergleiche und einer effizienten Abwicklung ist ihr sehr wichtig. Nur so können auf das Unternehmen zugeschnittene Lösungen entstehen.

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