Liquiditätsrisiken: Risikofaktoren für KMU – Teil 1

Wer "flüssig ist", verfügt redensartlich über genügend finanzielle Mittel, um Ausgaben und Zahlungen zu stemmen. Für Unternehmen ist diese Liquidität das Lebenselixier, denn nur mit ausreichender Zahlungsfähigkeit lässt es sich arbeiten. Leider bedrohen verschiedene Liquiditätsrisiken den laufenden Betrieb und nehmen Einfluss auf Umsatz, Gewinn und unter Umständen sogar auf den Fortbestand der Firma. Was ist das Liquiditätsrisiko? Und wie sehen sinnvolle Maßnahmen gegen Liquiditätsrisiken aus?

Liquiditätsrisiken und effektive Maßnahmen zu ihrer Minimierung:

  • Liquiditätsrisiken können zu Problemen werden, die den laufenden Betrieb, Umsatz, Gewinn und sogar den Fortbestand von kleinen und mittelständischen Unternehmen beeinflussen.
  • Häufige Liquiditätsrisiken umfassen Kunden- und Lieferantenprobleme, Finanzierungsrisiken, Marktveränderungen sowie interne Faktoren.
  • Ein Jahresplan, der Einnahmen und Ausgaben berücksichtigt, ist entscheidend, um potenzielle Liquiditätsengpässe frühzeitig zu erkennen.
  • Eine rechtzeitige Identifizierung von Problemen ermöglicht Gegenmaßnahmen wie Eigenkapitalerhöhung, Kreditnutzung und Kostenreduzierung.

Was gehört zu den Liquiditätsrisiken?

Einfach zu erklären ist das Liquiditätsrisiko am Beispiel eines Bankkontos: Einnahmen sorgen dafür, dass der Kontoinhaber "flüssig" ist und Geld ausgeben kann. Je mehr er ausgibt, desto höher müssen auch seine Einnahmen sein, damit das so bleibt. Wie sehen die Liquiditätsrisiken für den Kontoinhaber aus? Es kann passieren, dass Einnahmen, mit denen er gerechnet hat, nicht eingehen oder geringer sind. Oder es kommen unerwartete oder höhere Ausgaben auf ihn zu. Die Folge: Das Konto weist nicht mehr ausreichend Guthaben auf oder rutscht sogar ins Minus. Ähnlich sieht es mit den Liquiditätsrisiken für Unternehmen aus. Beispielsweise haben Faktoren wie Kostenerhöhungen, unbezahlte Kundenrechnungen oder ein plötzlicher Umsatzrückgang negative Auswirkungen auf die flüssigen Mittel und stellen eine Gefahr für den weiteren Betrieb dar.

Liquiditätsrisiko als Definition

Als Liquiditätsrisiko betrachtet der Experte betriebliche und außerbetriebliche Einflüsse, die dazu führen können, dass die Liquidität eines Unternehmens knapp wird oder es sogar seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. In diesem Fall hat der Betrieb nicht mehr ausreichend Mittel, um Rechnungen, Gehälter oder Steuern zur Fälligkeit zu bezahlen.

Welche Faktoren beeinflussen das Liquiditätsrisiko? 

Der Fakt, dass ein Liquiditätsrisiko besteht, bedeutet noch nicht, dass es auch Schaden anrichten muss. Getreu dem alten Spruch "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!", müssen Sie als Geschäftsführer oder Unternehmer die Auslöser für Liquiditätsprobleme Ihres Unternehmens identifizieren, um gegensteuern zu können. Einige mögliche Ursachen für Liquiditätsrisiken haben wir Ihnen zusammengestellt. 

Forderungsausfall

Die schlechte Zahlungsmoral der Kunden macht vielen Betrieben zu schaffen. Als Liquiditätsrisiken gelten bereits zu spät bezahlte Rechnungen, da Unternehmen selbst Zahlungsziele haben, die sie dann eventuell nicht einhalten können. Beim Forderungsausfall bezahlen Kunden eine Lieferung oder Leistung, für die ein Unternehmen bereits Ausgaben hatte, gar nicht. Häufen sich die Ausfälle, stellt das eine ernsthafte Bedrohung für die Liquidität dar.

Risiko durch Lieferanten

Liquiditätsrisiken ergeben sich auch durch Probleme mit Lieferanten. Eine unterbrochene Lieferkette führt vielleicht dazu, dass ein Betrieb Waren zu höheren Preisen einkaufen muss, um produzieren zu können.

Risiko durch die Finanzierung

Aus der Fremdfinanzierung eines Unternehmens können ganz unterschiedliche Liquiditätsrisiken entstehen. Zum Beispiel erhöhen unerwartet steigende Zinsen die Kosten. Auch ein höherer Bedarf an Krediten führt zu einem Mehr an Zins und Tilgung. Und schließlich gehört zu den Liquiditätsrisiken auch die Gefahr, dass Banken dringend benötigte Finanzierungen nicht genehmigen.

Risiko durch den Markt

Jedes Unternehmen bewegt sich mit seinen Produkten und Leistungen auf einem Markt, der sich verändert. Zu den Liquiditätsrisiken gehören Faktoren, die Einfluss auf Umsatz und Verkaufszahlen haben:

  • verändertes Konsumverhalten

  • schlechter Absatz

  • starker Wettbewerb

Und auch bei der Beschaffung ist der Markt volatil und kann Liquiditätsrisiken bergen wie:

  • Währungsschwankungen

  • Preissteigerungen bei Rohstoffen, Waren und Energiekosten

Risiko aus dem Unternehmen selbst

Für Liquiditätsrisiken gibt es auch betriebsinterne Gründe. Das könnten sein:

  • hohe Privatentnahmen

  • Fehlplanung bei Investitionen

  • lange Zahlungsziele für Kunden

  • große Lagerhaltung

Mit einem Liquiditätsplan haben Sie immer einen Überblick über die Entwicklung der Liquidität. Dazu ziehen Sie über ein ganzes Jahr hinweg für jeden Monat von allen voraussichtlichen Einnahmen (wie Rechnungseingänge, Erstattungen, Kreditauszahlungen u. Ä.) die geplanten Ausgaben (beispielsweise Einkauf, Gehälter, Zins und Tilgung, laufende Betriebskosten und Investitionen) ab. Veränderungen bei Kosten und Erträgen pflegen Sie laufend ein. So fallen Engpässe und negative Entwicklungen sofort ins Auge.

Warum ist es wichtig, Liquiditätsrisiken frühzeitig zu identifizieren?

Es gehört zu den größten Herausforderungen für Unternehmen, das Liquiditätsrisiko immer im Griff zu haben. Falls der Betrieb bei einer Auffälligkeit nicht gegensteuert, führen Liquiditätsrisiken zu einem Liquiditätsengpass und im Extremfall zur Insolvenz. Fachleute halten fehlende Liquidität sogar für den häufigsten Auslöser von Insolvenzen in Deutschland. Für eine optimale Vorsorge empfehlen die Experten, die Liquidität vorausschauend zu planen und bereits bei den ersten Anzeichen für ein Liquiditätsrisiko Maßnahmen zu ergreifen. Zu den Akut-Maßnahmen zählen etwa:

  • Eigenkapital erhöhen

  • Kreditlinien ausreizen

  • Verkauf von Anlagevermögen

  • Zahlungsaufschub für Rechnungen beantragen

  • Zahlungsziele bei Kunden verkürzen

  • Kosten reduzieren

  • Vertrieb intensivieren

Wie beugen Sie den Auswirkungen der Liquiditätsrisiken sinnvoll vor? 

Damit bei einem Unternehmen erst keine Liquiditätsprobleme entstehen, gibt es mehrere Maßnahmen, mit denen sich das Liquiditätsrisiko begrenzen lässt:

  • Forderungsmanagement: Je zügiger Sie Rechnungen stellen, desto schneller muss der Kunde bezahlen. Und bei langwierigen sowie kostenintensiven Projekten fordern Sie von Kunden Anzahlungen oder Abschlagszahlungen. Prüfen Sie vor einem Vertragsabschluss eventuell die Bonität des Kunden, um Forderungsausfälle zu reduzieren. Außerdem sollten Sie säumige Käufer mahnen und die Forderungen eintreiben.

  • Factoring: Beim Factoring verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen. Zum einen erhalten Sie aus dem Verkauf sofort Mittel und zum anderen vermeiden Sie das Liquiditätsrisiko von Forderungsausfällen komplett.

  • Kostenmanagement: Beim Einkauf und der Planung von Betriebsausgaben hilft ein Budget. Fragen Sie sich, ob sich Kosten sparen lassen, der Kauf tatsächlich notwendig oder die Investition vernünftig ist. Ist ein Vorratslager in aktuellem Umfang sinnvoll oder bindet es zu viel Liquidität? Eventuell können Sie durch Verhandlungen von Preisen und Zahlungszielen ebenfalls das Liquiditätsrisiko reduzieren. Und wenn Sie schließlich Rechnungen pünktlich bezahlen, profitieren Sie von Skonto oder vermeiden Sollzinsen und Mahngebühren.

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    Bürgschaftsversicherungen sichern nicht nur Verträge ab und schonen gleichzeitig Ihre Kreditlinie bei der Bank. Mit einigen Arten wie der Anzahlungsbürgschaft oder der Gewährleistungsbürgschaft beschleunigen Sie auch effektiv Zahlungseingänge. Wir zeigen Ihnen gerne, wie Sie mit unseren Kautionsversicherungen Ihre Liquidität verbessern.

    Melanie Larcher, Spezialistin Kautionsversicherungen

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    • Controlling: Betriebszahlen aufzustellen und zu prüfen hilft, immer einen Finger am Puls des Unternehmens zu haben. Liquiditätsrisiken lassen sich nicht vollständig ausschließen, da viele beeinflussende Faktoren unberechenbar bleiben. Daher setzen einige Unternehmen auf einen Liquiditätspuffer für Unvorhergesehenes.

    • Fremdkapital: Ein Kontokorrentkredit kann dabei helfen, kleinere Liquiditätsengpässe abzumildern. Gerade, wenn ein größerer Rechnungseingang noch auf sich warten lässt oder eine außerordentliche Zahlung fällig wird. Aber Achtung! Der zusätzliche Spielraum kostet Zinsen, die wiederum zu den Liquiditätsrisiken gehören.

    • Liquiditätsrisikomanagement: Da sich selbst mit einer professionellen Finanzplanung nicht alle Entwicklungen voraussagen lassen, die die Liquidität bedrohen könnten, wandelten Experten ein ursprünglich für Banken entworfenes Konzept um. Das Liquidity at Risk oder Liquiditätsrisikomanagement soll auch bei Industrieunternehmen die Liquiditätssicherung verbessern.

    Fazit

    Liquiditätsrisiken bedrohen die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens und führen manchmal bis zur Insolvenz. Dazu gehören alle überhöhten oder unerwarteten Ausgaben sowie verzögerte Einnahmen und Forderungsausfälle. Mit einer soliden Liquiditätsplanung, einem durchdachten Debitoren- und Kreditorenmanagement und der Ergänzung des Fremdkapitals mit Bürgschaftsversicherungen lassen sich die Auswirkungen der Liquiditätsrisiken positiv beeinflussen.

    Melanie Larcher

    Melanie Larcher ist seit vielen Jahren bereits bei der SHL tätig. Sie berät bestehende Kunden ebenso wie potenzielle Neukunden über die verschiedenen Bürgschaftsarten und darüber, wie Unternehmen ihre Liquidität verbessern können. Da die Bonität einen entscheidenden Einflussfaktor in der Geschäftswelt darstellt, gilt es auch hier die Unternehmen aufzuklären und Tipps zur Verbesserung des Ratings zu geben.

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