Zusammenspiel von Liquidität eines Unternehmens und Wachstum

Zieht man eine Umfrage von statista aus dem Jahr 2022 zurate, stellt sich heraus, dass zahlreiche Unternehmen auf Wachstum bedacht sind. Sie nennen verschiedene Wachstumsziele wie Umsatz und Betriebsergebnis steigern, Marktanteile gewinnen, Innovationen generieren oder das Produktportfolio erweitern. Natürlich ist klar: Diese Projekte kosten Geld. Hilft die Liquidität Unternehmen dabei, Wachstumsziele erfolgreich umzusetzen? Welche Kennzahlen müssen Sie für Ihren Betrieb berücksichtigen und wie können Sie die Liquidität verbessern?

Liquidität eines Unternehmens. Das wichtigste in Kürze:

  • Liquidität bedeutet, dass ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten fristgerecht decken kann.
  • Unternehmen benötigen Liquidität, um nicht nur Gehälter zu zahlen, sondern auch zu wachsen und Innovationen zu finanzieren.
  • Fehlende Liquidität kann zu Zahlungsschwierigkeiten, finanzieller Instabilität und verschlechterter Bonität führen.
  • Regelmäßige Überwachung und Steuerung der Liquidität sind notwendig, um Engpässe zu vermeiden und bei Bedarf schnell reagieren zu können.

Was bedeutet der Begriff Liquidität für Unternehmen? 

Liquidität bezieht sich auf die Fähigkeit eines Unternehmens, die eigenen kurzfristigen Verbindlichkeiten und Ausgaben fristgerecht zu decken. Zu diesen finanziellen Verpflichtungen zählen nicht nur die laufenden Betriebs- und Produktionskosten, sondern beispielsweise auch Steuerzahlungen oder Kreditraten. Ausreichend Liquidität heißt daher für Ihren Betrieb, dass er für die Begleichung seiner Zahlungen genügend flüssige Mittel in Form von Bankguthaben und Bargeld zur Verfügung hat.

Warum ist die Liquidität für Unternehmen so wichtig? 

Fehlt Ihrem Unternehmen Liquidität, kann das weitreichende Folgen haben:

  • Zahlungsschwierigkeiten 
  • Überschuldung 
  • Verschlechterte Bonität
  • Ungünstige Einkaufsmodalitäten

Positive Auswirkungen ausreichender Liquidität bei Unternehmen sind:

  • Finanzielle Stabilität
  • Verbesserte Bonität
  • Wachstumschancen
  • Guter Ruf bei Lieferanten und Kunden

Wie viel Liquidität sollte ein Unternehmen haben? 

Da fehlende Liquidität im Unternehmen problematisch ist, achten viele Geschäftsführer und Unternehmer auf ein stabiles finanzielles Polster. Damit sind sie selbst bei ungeplanten Ausgaben und plötzlichen Veränderungen auf dem Markt gegen Liquiditätsengpässe gewappnet. Doch auch ein Zuviel an flüssigen Mitteln kann einer Firma schaden, denn durch Niedrigzinsphasen und Inflation verliert das zurückgelegte Geld an Wert. Außerdem fehlt der Betrag für Investitionen und bremst das gesunde Wachstum eines Unternehmens. Eine durchdachte Liquiditätsplanung hilft dabei, die richtige Balance bei der Liquidität für Ihr Unternehmen zu finden.

Welche Rolle spielt die Liquidität von Unternehmen beim Wachstum? 

Höhere Umsatzzahlen, neue Absatzmärkte oder eine innovative Produktlinie – Expansion hat ganz unterschiedliche Gesichter. Doch jede Art von Unternehmenswachstum benötigt Kapital, Kapital, das entweder aus reinvestiertem Gewinn, von Finanzinvestoren oder von Banken und Kapitalgebern stammen kann. Mit diesen Finanzmitteln geht Ihr Unternehmen in Vorleistung, denn bevor Sie die ersten zusätzlichen Einnahmen durch die Expansion generieren, müssen Sie beispielsweise Ausgaben für Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb und Personal vorstrecken. Meist zeigt sich erst nach Wochen und Monaten der Wachstumserfolg auf dem Bankkonto. Damit also beim Bankguthaben und den Barmitteln nicht schnell Ebbe herrscht, benötigt Ihr Unternehmen Liquidität.

Durch die teils enormen zeitlichen Verschiebungen zwischen den Investitionen und den Einnahmen sind nicht wenige Unternehmen während des Wachstums schon in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Experten empfehlen daher, bereits bei der Vorbereitung der Wachstumsstrategie zu klären, welche Finanzierungsarten infrage kommen und wie die Liquidität gesichert wird. In der Wachstumsphase selbst gibt Ihnen ein straffer Liquiditätsplan einen genauen Überblick über die aktuell und zukünftig verfügbaren flüssigen Mittel.

Finanzinstrumente beeinflussen die Liquidität im Unternehmen 

Die goldene Bilanzregel besagt, dass langfristiges Vermögen mit langfristigem Kapital und kurzfristiges Vermögen mit kurzfristigem Kapital finanziert werden soll. Dies verhindert Finanzierungsengpässe und verbessert die Liquidität. Bürgschaftsversicherungen schonen ebenfalls die Liquidität, da sie die Kreditlinie bei der Bank nicht belasten. Unternehmen sollten daher verschiedene Finanzierungsmittel nutzen, um Kapital zu beschaffen und Geschäfte abzusichern.

Tanja Vuksanovic, Spezialistin Kautionsversicherungen

zitat frank liepner 6

Wie wird die Liquidität von Unternehmen berechnet? 

Um zu bestimmen, wie es um die Liquidität im Unternehmen steht, haben Sie verschiedene Liquiditätskennzahlen zur Verfügung. Zu den wichtigsten gehören die drei Liquiditätsgrade:

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    Liquiditätsgrad 1 oder Cash Ratio: Für die Berechnung teilen Sie die flüssigen Mittel (z. B. Bank- und Kassenguthaben) durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten (Rückstellungen und Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von einem Jahr und darunter) und multiplizieren mit 100. Erhalten Sie einen Wert von über 100 %, kann Ihr Unternehmen mit den vorhandenen Geldern alle kurzfristigen Verbindlichkeiten bezahlen. Allerdings sagen Fachleute, dass ein optimaler Liquiditätsgrad 1 bei etwa 20 % liegen sollte.
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    Liquiditätsgrad 2 oder Quick Ratio: Um für Ihr Unternehmen die Liquidität 2. Grades zu ermitteln, addieren Sie zu den flüssigen Mitteln die kurzfristigen Forderungen, bevor Sie sie durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten teilen und wieder mit 100 multiplizieren. Nun wissen Sie, ob die aktuell vorhandenen Mittel auf dem Konto und in der Kasse sowie die Forderungen, die bald eingehen werden, Ihre kurzfristigen Ausgaben decken werden. Der Liquiditätsgrad 2 sollte in der Regel bei 100 % oder darüber liegen.
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    Liquiditätsgrad 3 oder Current Ratio: Diese Kennzahl holt zusätzlich die Vorräte ins Bild: Flüssige Mittel + kfr. Forderungen + Vorräte / kfr. Verbindlichkeiten * 100. Da sich aus Vorräten meist zügig Einnahmen gewinnen lassen, gibt es diesen 3. Grad der Liquidität. Empfehlungen zufolge sollte er je nach Unternehmen bei 150–200 % liegen. 

Eine sinnvolle Liquiditätsplanung erfordert, neben der Berechnung der Kennzahlen auch die Liquidität bei Unternehmen periodisch zu überwachen. Dazu erstellen Sie ausgehend von den aktuell vorhandenen liquiden Mitteln eine Übersicht über die künftigen Zahlungsfristen von Verbindlichkeiten und Zahlungseingängen. Mit einer derartigen Aufstellung erhalten Sie zu jedem Zeitpunkt der Planungsperiode einen Überblick über die vorhandene Liquidität und erkennen Handlungsbedarf. Außerdem ist die Liquiditätsplanung eine gute Informationsquelle, wenn Sie bei Ihrem Unternehmen die Liquidität verbessern möchten.

    Wenn Ihr Unternehmen Gewinn macht, bedeutet es noch nicht, dass es auch liquide ist. Denn die Liquidität von Unternehmen sagt etwas darüber aus, ob zum Zahlungszeitpunkt genug liquide Mittel da sind, um die anstehenden Rechnungen zu begleichen. Der Gewinn hingegen beschreibt, wie viel Einnahmen nach Abzug aller Kosten übrig bleiben.

    Stabiles Wachstum: Mit welchen Maßnahmen können Geschäftsführer die Liquidität von Unternehmen verbessern? 

    Für ein gesundes Unternehmenswachstum ist ausreichend Liquidität im Unternehmen notwendig. Welchen Maßnahmen verringern die Gefahr, dass die Mittel knapp werden? Zunächst sollten Sie die Liquiditätsrisiken identifizieren, die Ihrem Unternehmen drohen könnten. Wenn Sie die potenziellen Risiken kennen, können Sie besser gegensteuern. Zudem helfen die Liquiditätskennzahlen und eine Planung dabei, die Liquidität zu überwachen, um bei Problemen schnell reagieren zu können. Zu den wichtigen Maßnahmen gehört es auf jeden Fall, das Forderungsmanagement zu optimieren, da zügig bezahlte Rechnungen Geld in die Kassen Ihres Betriebs spülen. Prüfen Sie auch, ob es Möglichkeiten gibt, Kosten zu sparen, streichen Sie unnötige Ausgaben und erwägen Sie, ob statt eines Kaufs bei teuren Anlagen und Geräten Leasing sinnvoll wäre.

      Fazit

      Für Stabilität und Wachstum eines Unternehmens ist Liquidität unerlässlich. Ohne flüssige Mittel sind keine Investitionen möglich, die Firma kann für ihre Wachstumsziele nicht in Vorleistung gehen und Zahlungsschwierigkeiten können bis zur Insolvenz führen. Daher ist es wichtig, die Finanzierung gut zu planen, die Liquidität in Unternehmen regelmäßig zu überwachen und bei Liquiditätsengpässen zügig Maßnahmen zu ergreifen.

      Tanja Vuksanovic

      Als Key Account Managerin bei der SHL Gruppe berät Tanja Vuksanovic seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Branchen rund um das Thema Liquiditätsmanagement. Von Bedarfsanalyse, Angebotsvergleiche bis Umsetzung begleitet sie Unternehmen und verhilft mit entsprechenden Produkten und individuellen Lösungen zu mehr Liquidität und Absicherung von Aufträgen. Bürgschaften, Warenkreditversicherung und Factoring aus einer Hand.

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