Fehlende Liquiditätssicherung: Risikofaktoren für KMU – Teil 4

Als Unternehmer oder Geschäftsführer sind Ihnen viele der Gefahren bekannt, die Ihrem Betrieb drohen. Natürlich setzen Sie alles daran, diese Risiken auszumerzen, noch ehe sie bei Ihrem Unternehmen Schaden anrichten können. Das ist mit ein Grund, warum Sie auf keinen Fall die Liquiditätssicherung vernachlässigen sollten. Sie gehört mit zu den wichtigsten Maßnahmen für den dauerhaften Bestand einer Firma. Mit ihrer Hilfe halten Sie Ihr Unternehmen auf Erfolgskurs und legen die Grundlage für ein gesundes Wachstum. Wir erklären Ihnen, wie Liquiditätssicherung funktioniert und welche häufigen Fehler Sie vermeiden können.

Wichtige Aspekte der Liquiditätssicherung für Unternehmen:

  • Unternehmer müssen die Liquiditätssicherung ernst nehmen, um die Zahlungsfähigkeit und das Wachstum des Betriebs zu sichern.
  • Mangelnde Liquiditätssicherung kann zu Zahlungsengpässen und höheren Kosten führen.
  • Die Digitalisierung und entsprechende Software optimieren die Steuerung von Zahlungsprozessen und -strömen und tragen so zur effizienten Liquiditätssicherung bei.
  • Unternehmen sollten ihre Liquiditätsplanung flexibel und kontinuierlich anpassen, um unvorhergesehene Ausgaben zu bewältigen.

Was ist Liquiditätssicherung?

Je nach Unternehmen und Branche stimmt zwar bei der Liquiditätssicherung die Definition überein, doch die Vorgehensweise kann individuell variieren. Die Liquiditätssicherung ist im Grunde eine Aufgabe Ihres Finanzcontrollings, bei der es darum geht, die Zahlungsfähigkeit Ihrer Firma zu jedem Zeitpunkt zu gewährleisten. Dafür stehen Ihnen unterschiedliche Werkzeuge für die Planung und Überwachung zur Verfügung. Zudem gehören zum Begriff Liquiditätssicherung alle Maßnahmen, die dazu dienen, dass Sie Rechnungen und andere kurzfristigen Verbindlichkeiten pünktlich bezahlen können.

Welche Bedeutung hat die Liquiditätssicherung für Unternehmen?

Für einen Betrieb ist es essentiell, die Mittel, die zur Verfügung stehen, effektiv und rentabel einzusetzen. Die Liquiditätssicherung ist dafür zuständig, Ausgaben für das operative Geschäft, für Investitionen und die Weiterentwicklung so zu planen, dass ihnen ausreichend Einnahmen für die Bezahlung gegenüberstehen. Dabei berücksichtigt das Controlling auch gewisse Liquiditätsrisiken und spielt verschiedene Entwicklungen durch, die die Liquidität verändern könnten. Das Ziel ist, sowohl Liquiditätsengpässe als auch ein Zuviel an Liquidität zu vermeiden, um die vorhandenen flüssigen Mittel bestmöglich für den Betrieb arbeiten zu lassen.

Welche Folgen hat eine fehlende Liquiditätssicherung für Unternehmen?

Mithilfe der Liquiditätssicherung können Sie frühzeitig Liquiditätsschwierigkeiten erkennen und darauf reagieren. Gleichzeitig unterstützt sie Ihre Planung von Weiterentwicklungen und Wachstum Ihres Unternehmens. Wenn eine Firma dagegen auf die Liquiditätssicherung verzichtet oder sie nicht ernst nimmt, vergibt sie die Chance, Zahlungsströme präzise und rechtzeitig zu lenken. Das führt auf lange Sicht zu höheren Kosten und kann für einen geringeren Unternehmenserfolg sowie schwächere Zahlen verantwortlich sein. Direkte Folgen sind beispielsweise auch:

  • Zahlungsverzug
  • unvorhergesehene oder ungeplante Rechnungen
  • falscher Einsatz von flüssigen Mitteln
  • teure Kontoüberziehungen
  • Liquiditätsengpässe
  • fehlerhafte Finanzierung bei Kapitalbedarf

Wie sehen die Maßnahmen der Liquiditätssicherung aus?

Grundlage der Liquiditätssicherung ist die Liquiditäts- und Finanzplanung, mit der die vorhandenen Daten, Planzahlen und Fakten analysiert und beobachtet werden. Aus den Ergebnissen ziehen Unternehmen Schlussfolgerungen und leiten notwendige Maßnahmen ab. Fachleute kennen zum einen die kurzfristige Liquiditätssicherung, die sich um die Regelung der Zahlungsfähigkeit während eines Jahres kümmert. Zum anderen gibt es die langfristige Liquiditätssicherung, bei der Strategien und zukünftige Entwicklungen durchgeplant werden.

Maßnahmen für kurzfristige Liquiditätssicherung

Für die Planung der kurzfristigen Liquidität überwacht Ihr Unternehmen nicht nur die taggleichen Zahlungsströme, sondern zieht auch die Ausgaben und Einnahmen für die nächsten 12 Monate in Betracht. Denken Sie außerdem daran, unterschiedliche Szenarien wie zum Beispiel Veränderungen am Markt oder bei den Lieferketten durchzuspielen und daraus Planungsalternativen zu erstellen. Infolge definieren Sie für die Liquiditätssicherung Maßnahmen. Das kann beispielsweise bedeuten, Ihr Forderungsmanagement oder die Lagerhaltung zu optimieren. Eventuell handeln Sie neue Lieferantenrabatte aus oder Sie benötigen einen Kredit beziehungsweise neues Eigenkapital. Dadurch können Sie die Liquidität ständig optimieren und noch besser an die Abläufe Ihres Betriebs anpassen. Die erzeugten Zahlen unterstützen Sie zusätzlich dabei, für die Maßnahmen wie beispielsweise eine Kreditaufnahme oder eine Investition den richtigen Zeitpunkt zu wählen.

Die Liquiditätsplanung zeigt Ihnen häufig im voraus, ob Ihrem Unternehmen Zahlungsprobleme drohen könnten. Zögern Sie in diesem Fall nicht, sofort mit Liquiditätsverbesserungen zu reagieren. Die Liquiditätssicherung gibt Ihnen die Chance, überlegt und planvoll vorzugehen. Ist der Liquiditätsengpass dagegen bereits akut, müssen Sie eventuell Entscheidungen treffen, die Ihnen vielleicht nicht zusagen.

Maßnahmen für langfristige Liquiditätssicherung

Damit die Liquidität auch für Investitionen, Wachstumschancen und den zukünftigen Erfolg Ihres Unternehmens ausreicht, sollte Ihr Unternehmen über die 12 Monatsgrenze hinausschauen. Daher ergreifen Sie bei der langfristigen Liquiditätssicherung Maßnahmen, um die zukünftige Zahlungsfähigkeit für Ihre Geschäftsstrategie und für Weiterentwicklungen auszuplanen. Hier einige Möglichkeiten und Beispiele dazu:

  • Prozessoptimierungen: Beispielsweise Abläufe anpassen und Einsparungen im Bereich Personal oder Material vornehmen.
  • Anlagevermögen reduzieren: Statt Anlagen und Maschinen zu kaufen, auf Leasing setzen.
  • Finanzierung verbessern: Kreditlaufzeiten anpassen, Umschuldungen und Anschlussfinanzierungen planen; aber auch unterschiedliche Finanzierungsformen und Kreditgeber für die Diversifizierung einbinden.
  • Lieferketten stärken: Mehrere Lieferanten nutzen.
  • Vorratshaltung prüfen: Eventuell auf Just-in-Time-Produktion umstellen.

Mit der richtigen Bürgschaft Liquidität sichern

Bürgschaftsversicherungen haben das Potenzial, Ihre Liquiditätssicherung zu unterstützen. Besonders Unternehmen, die große Bürgschaftsvolumen benötigen, sollten die Bürgschaft eines Versicherungsunternehmens in Erwägung ziehen. Die Bürgschaftsversicherungen tragen zur Optimierung Ihrer Liquidität bei, da der Bürgschaftsbetrag die Kreditlinie Ihres Unternehmens bei Ihrer Bank nicht verringert. Dadurch steigen die Chancen, eine Zusage für Bankkredite zu erhalten, die Sie für Investitionen und das laufende Geschäft einsetzen möchten.  

Tanja Vuksanovic, Spezialistin Kautionsversicherungen

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Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Liquiditätssicherung?

Die Digitalisierung ist dafür bekannt, dass sie das Zeug dazu hat, betriebliche Abläufe zu optimieren. Dadurch sparen Unternehmen Kosten, Zeit und Ressourcen ein. Beispielsweise lassen sich Zahlungsprozesse beim Lieferanten- oder Forderungsmanagement mit einer entsprechenden Software oder einem Tool zielgenauer steuern und überwachen. Auch für die Liquiditätssicherung selbst gibt es Liquiditätsmanagement-Software, mit der Sie Ihre Zahlungsströme einfach überwachen, Planspiele simulieren und Prognosen erstellen. Schließlich stehen Ihnen Tools zur Datenanalyse zur Verfügung, wenn Sie Ihre Betriebszahlen analysieren und Ihre Geschäftsstrategie planen möchten.  

Welche häufigen Fehler sollten Unternehmen bei der Liquiditätssicherung vermeiden?

Damit sowohl die Analyse als auch die Maßnahmen einer Liquiditätssicherung erfolgreich sind, muss sorgfältig geplant und angewandt werden. Leider kommt es immer wieder zu Fehlern bei der Kalkulation und Umsetzung, die Liquiditätsprobleme zur Folge haben. Einige der häufigsten Fehlerquellen haben wir für Sie zusammengestellt:

  • Optimistische Planung von Zahlungseingängen: Untermauern Sie mögliche Umsatzzahlen immer mit realistischen Prognosen aus der Vertriebsabteilung.
  • Unterschätzte Dauer beim Forderungseingang: Der Zahlungseingang kann sich durch Buchungsvorgänge bei der Bank zusätzlich zum vereinbarten Zahlungsziel auf der Rechnung verspäten.
  • Keine Szenarien durchgeplant: Plötzliche Veränderungen beim Umsatz oder den Kosten kommen überraschend und die Zeit reicht nicht, um rechtzeitig für ausreichend Liquidität zu sorgen.
  • Keine Anpassung der Liquiditätsplanung: Es gibt kein erfolgreiches Geschäft ohne Veränderungen. Daher kann eine 12-monatige Liquiditätsplanung kein starres Instrument sein, sondern muss laufend flexibel angepasst und neu überarbeitet werden.
  • Keine ausreichende Kommunikation mit der Bank: Umschuldungen, Anschlussfinanzierungen oder eine Krediterhöhung – bleiben Sie mit Ihrem Kreditinstitut in Verbindung, gewähren Sie einen Einblick in Ihre Geschäftszahlen und planen Sie gemeinsam mit der Bank Ihre Finanzierung. Dadurch verhindern Sie Missverständnisse, hohe Zinskosten und abgelehnte Kreditanträge.
  • Vergessene oder ungeplante Ausgaben: Denken Sie bei der Liquiditätssicherung auch daran, dass es Einnahmen und Ausgaben gibt, die nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung auftauchen. Sie lösen aber trotzdem Kontobewegungen aus. Das können Investitionen oder Privatentnahmen sein. Sie müssen bei der Liquidität genauso berücksichtigt werden wie veränderte Steuervorauszahlungen oder Reparaturrechnungen, die nicht unbedingt vorhersehbar waren.
  • Bei der Finanzierung nur auf ein Pferd setzen: Diversifikation bei Finanzierungsarten und Finanzgebern ist notwendig, um Risiken zu verringern, und kann für mehr Liquidität sorgen. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten wie zum Beispiel Förderkredite, Mezzanine-Kapital, aber auch Factoring oder Bürgschaften für Unternehmen durch Versicherer.

Liquidität sichern oder verbessern – was ist eigentlich der Unterschied?

Die Liquiditätssicherung kümmert sich darum, Zahlungsströme zu überwachen und ergreift Maßnahmen, um sie optimal zu lenken. Aus den Daten und Zahlen der zugehörigen Liquiditätsplanung kann sich ergeben, dass die Liquidität zu einem bestimmten Zeitpunkt gefährdet ist oder bei verschiedenen Szenarien Liquiditätsengpässe entstehen würden. Dann müssen Unternehmen ihre Liquidität verbessern. Auch dafür stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die teilweise selbst bei akuten Problemen Liquidität schaffen.

Fazit

Die Liquiditätssicherung ist wesentlich, um die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens zu gewährleisten. Zu ihr gehören die Überwachung der Zahlungsströme sowie die kurzfristige als auch die langfristige Planung der Liquidität. Die Ergebnisse der Daten legen die Grundlage für fortlaufende Optimierung von Prozessen und der Unternehmensfinanzierung. Auf dem Markt gibt es unterschiedliche Tools, die bei der Liquiditätssicherung Abläufe automatisieren und viel Arbeit abnehmen. Trotzdem müssen die Verantwortlichen einer Firma darauf achten, bestimmte Fehler wie vergessene Ausgaben oder verspätete Planung von Krediten zu vermeiden, um die Liquidität dauerhaft zu sichern.

Tanja Vuksanovic

Als Key Account Managerin bei der SHL Gruppe berät Tanja Vuksanovic seit vielen Jahren Unternehmen aus verschiedensten Branchen rund um das Thema Liquiditätsmanagement. Von Bedarfsanalyse, Angebotsvergleiche bis Umsetzung begleitet sie Unternehmen und verhilft mit entsprechenden Produkten und individuellen Lösungen zu mehr Liquidität und Absicherung von Aufträgen. Bürgschaften, Warenkreditversicherung und Factoring aus einer Hand.

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